Alport-Syndrom: Bei Kindern verzögert Ramipril die Krankheitsprogression deutlich

  • Kidney International

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine prospektiv-randomisierte Studie an deutschen Zentren ergibt: Bei Kindern mit Alport-Syndrom verzögerte der ACE-Hemmer Ramipril die Progression der Manifestation an den Nieren um 49 % binnen durchschnittlich 4,1 Jahren. Die Albuminurie und das Absinken der glomerulären Filtrationsrate verlangsamen sich. Die Hoffnung ist, durch eine frühzeitige Ramipriltherapie ein Nierenversagen deutlich zu verzögern.

Hintergrund
Die Typ-IV-Kollagen-Erkrankung, das Alport-Syndrom (AS), ist eine progressive hereditäre Nephropathie, die meist im Kindesalter beginnt. Klinische Zeichen sind zunächst Hämaturie und Proteinurie, im weiteren Verlauf kommt es zu einem terminalen Nierenversagen. Außerdem manifestiert sich die Erkrankung häufig extrarenal. Es entwickeln sich Innenohr-Schwerhörigkeit und Augenveränderungen. Unbehandelt werden die Patienten meist schon im jungen Erwachsenenalter dialysepflichtig.

In der deutschen Studie „EARLY PRO-TECT Alport“ ist weltweit erstmals prospektiv-randomisiert und placebokontrolliert eine Therapie mit Ramipril unter den Aspekten Sicherheit und Wirksamkeit mit Placebo verglichen worden.

Design

  • teilnehmende Kliniken: 14 Zentren in Deutschland
  • Zeitrahmen: 2012 bis 2019
  • teilnehmende Patienten: insgesamt 66 oligosymptomatische Patienten im durchschnittlichen Alter von 8,8 Jahren (3-14 Jahre) zu Studienbeginn; normaler Blutdruck und normale glomeruläre Filtrationsrate (> 126 mL/Min)
  • Studienarme: 22 Patienten wurden randomisiert in eine
    • Verumgruppe, bei der Ramipril auftitiriert wurde auf durchschnittlich 4,5 mg/m2 am Tag und in eine
    • Placebogruppe, in der bei nachgewiesen fortschreitender Nierenerkrankung auf Ramipril umgestellt wurde.
    • 44 Patienten erhielten unverblindet durschnittlich 4,8 mg/m2 Ramipril.

Hauptergebnisse
Nach median 3,5 Jahren Ramipriltherapie in der Verumgruppe und einem medianen Follow-up von durchschnittlich 4,1 Jahren progredierte die Nierenerkrankung bei 27,3 % in der Verumgruppe und bei 55,6 % unter Placebo. Dies entsprach einer Reduktion des relativen Risikos für einen Progress um 49 %. Im offenen Studienarm gab es bei 40,5 % der Patienten einen Progress.

Es wurden keine klinisch relevanten unerwünschten Effekte der Ramipriltherapie beobachtet. Auch bei Kindern im Vorschulalter war Ramipril wirksam und sicher, sofern ein regelmäßiges Monitoring erfolgte.

Klinische Bedeutung
„Gerade in sehr frühen Krankheitsstadien kann Ramipril das Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung möglicherweise um die Hälfte verringern“, so Prof. Dr. med. Oliver Gross von der Universitätsmedizin Göttingen, Erstautor der Studie. „Sind die Nieren bei frühem Therapiebeginn erst wenig geschädigt, lässt sich so hoffentlich die Dialyse um mehr als zehn Jahre, in vielen Fällen sogar über 20 Jahre hinauszögern“, so Gross. Eine Einschränkung der Studie ist die geringe Teilnehmerzahl.

Trotz seiner Seltenheit ist das Alport-Syndrom die zweithäufigste genetisch bedingte Nierenerkrankung bei Kindern und jungen Erwachsenen. In Deutschland sind circa 1 000 Kinder und mehr als 10 000 Erwachsene an dem Syndrom erkrankt.

Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung