Alltagshygiene: Mikroben-WGs auf dem Spülschwamm

  • Microorganisms

  • von Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussage

Dass Spülschwämme regelrechte Mikrobenschleudern sind, ist an sich keine Neuigkeit. Wissenschaftler der Hochschule Furtwangen haben trotzdem nochmals genauer hingeschaut, was sich auf dem beliebten Küchenutensil so alles tummelt. Ihre wichtigsten Ergebnisse: Die Vielfalt an Mikroorganismen ist weit größer als gedacht. Und: Eine Behandlung in der Mikrowelle ist im Sinne der Hygiene auf Dauer nicht zu empfehlen.

Wohngemeinschaften auf dem Küchenschwamm

Spülschwämme stellen unter den Küchenutensilien ein wahres Schlaraffenland für eine Vielzahl von Mikroorganismen dar: Schnelles Abwischen verschiedener Oberflächen und Gegenstände – insbesondere nach der Essenszubereitung – hinterlässt eine Vielzahl von Nahrungspartikeln. Da die Schwämme zudem meist feucht sind, finden Mikroorganismen ein reichhaltiges Substrat um auf und in den Schwämmen zu gedeihen. In vielen Haushalten ist es üblich, die Schwämme regelmäßig feucht in der Mikrowelle zu behandeln – in der Hoffnung, sie auf diese Weise zu dekontaminieren und für mehr Hygiene im Haushalt zu sorgen. Ob diese Rechnung aufgeht, wurde bislang allerdings nicht ausreichend untersucht.

Um die Mikroben-WGs auf den Schwämmen genauer zu untersuchen haben Wissenschaftler der Hochschule Furtwangen 20 Haushaltsschwämme gekauft und an Haushalte verteilt um sie über einen Zeitraum von vier Wochen, den individuellen Gepflogenheiten gemäß „normal“ zu nutzen. Ein Teil der Studienteilnehmer sollten ihre Schwämme zwei bis dreimal pro Woche in der Mikrowelle behandeln, die anderen nicht.

Überraschende Vielfalt auf dem Schwamm

Bei der anschließenden Metagenom-Analyse des Spülschwamm-Mikrobioms stellte sich heraus, dass die Wohngemeinschaft weit vielfältiger zusammengesetzt ist, als angenommen. „Wir waren total überrascht, was wir neben Bakterien noch so alles an Mikroorganismen in den Schwämmen entdecken konnten: Bakterien-befallende Viren, das Treibhausgas Methan bildende Archaeen, Pilze und einzellige Tiere, wie zum Beispiel Amöben. Bakterien waren aber mit Abstand die häufigsten Organismen“, sagt Studienleiter Markus Egert, Hochschule Furtwangen.

Doch wie wirkt sich nun die Mikrowellen-Behandlung auf die Spülschwamm-WG aus? Zunächst einmal: „Bis zu 99,99999% aller Schwamm-Bakterien werden im Mikrowellenherd getötet. Allerdings wachsen die Überlebenden schnell wieder hoch“, so Egert. Interessanterweise verändert sich jedoch die Zusammensetzung der Bakterien. Die Artenvielfalt war reduziert, doch es traten vermehrt Mikroorganismen mit besonderen Eigenschaften auf wie die Fähigkeit zur Bildung von Kapseln oder Biofilmen. Dabei handelt es sich um Eigenschaften, die sich nach Ansicht der Studienautoren als Schutzmechanismen gegen den Stress durch die Mikrowellen-Behandlung interpretieren lassen. Das könnte möglicherweise resistentere Mikrobengemeinschaften mit sich bringen – nicht gerade zum Vorteil der Hygiene in der Küche. Das pathogene Potential der auf den behandelten Schwämmen bevorzugt lebenden Mikroorganismen sowie ihre Bedeutung für häusliche Hygiene, Gesundheit und Wohlbefinden, müsse allerdings noch untersucht werden, wie die Wissenschaftler schreiben.

Bis dahin lautet das Fazit der Wissenschaftler: Spülschwämme lieber nach ein bis zwei Wochen entsorgen statt in der Mikrowelle zu behandeln.