Allergien und Säureblocker: Gastroenterologen sehen keinen Beleg für einen Zusammenhang

  • DGVS/Nature Communications

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Zwischen der Einnahme von Magensäureblockern und der Entwicklung von Allergien besteht laut einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) kein belegter Zusammenhang. Den Verdacht, dass die verbreiteten Säureblocker Allergien fördern könnten, hat eine Studie aufkommen lassen, deren Autoren Daten österreichischer Krankenversicherungen ausgewertet haben. Laut der DGVS ist das Studiendesign nicht dafür geeignet, die Frage zu beantworten, ob Säurehemmung das Entstehen von Allergien begünstige.

Argumente gegen einen Zusammenhang

Der Berliner Gastroenterologe Professor Dr. med. Herbert Koop kritisiert im Wesentlichen vier Aspekte der Studie: Zum einen wurden darin unterschiedliche Pharmaka untersucht – Sucralfate, die praktisch ohne Einfluss auf den pH-Wert im Magen sind, H2-Blocker, die als mäßig aktive Säurehemmer einzustufen sind und starke Säurehemmer – die Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI). Der Studie Studie zufolge gehen alle Substanzen mit einem erhöhten Allergie-Risiko einher. „Somit ergibt sich keine Korrelation zum Grad der Säurehemmung. Daher ist fragwürdig, ob die Säurehemmung überhaupt im Zusammenhang mit der Allergieentstehung zu sehen ist“, so Koop. 

Zum anderen stütze sich die Analyse nur auf die Verschreibung von Medikamenten, die mutmaßlich das Vorhandensein einer Allergie anzeigen sollen. Daten zu Allergie-Diagnosen selbst lagen nicht vor. Auch das ist nach Ansicht des Gastroenterologen ein Schwachpunkt.

Auch sei in der Studie nicht hinreichend unterschieden worden, um welche Allergien es überhaupt gegangen sei. Außerdem seien zusätzliche Informationen über die Patienten - sogenannte „confounding factors“ - nicht berücksichtigt worden. „Es ist wissenschaftlich gesichert, dass sich Patienten, die beispielsweise einen PPI einnehmen, deutlich von anderen Patienten unterscheiden: Sie sind in aller Regel älter, haben mehr Begleiterkrankungen, nehmen mehr Medikamente. Dieser Einfluss konnte in der aktuell veröffentlichten Studie nicht evaluiert werden, weil die Untersucher offensichtlich keinen Zugang zu solch wichtigen Daten bezüglich der Medikation – oder besser noch zu Diagnosedaten – hatten“, erklärt Koop.

Immer wieder Zweifel an der Sicherheit

Die Therapie mit Protonenpumpen-Hemmern steht seit einigen Jahren immer wieder im Verdacht, unterschiedliche Komplikationen zu verursachen, etwa einen beschleunigten zerebralen Abbau bis hin zur Demenz oder Clostridium-difficile-Rezidive. Ein Hintergrund dafür ist, dass die PPI in den vergangenen Jahren zunehmend „beliebt“ geworden sind und auch ohne gesicherte Indikation eingesetzt werden. Säureblocker würden „zu viel, zu schnell und zu oft" verordnet, sagt etwa der Kieler Gastroenterologe Professor Ulrich Fölsch; er betont aber auch: „Die Nebenwirkungen sind gering, kaum überzeugend zu beweisen und treten erst nach jahrelangem Gebrauch auf. PPI gehörten zu „den sichersten Medikamenten, die wir haben.“

Die Indikation muss eben stimmen

Auf das Problem nicht korrekter Indikationsstellung für eine PPI-Therapie hat auch die DGVS schon öfter hingewiesen. Zu häufig würden die Präparate zum Beispiel bei Beschwerden angewandt, bei denen ihr Nutzen nicht bewiesen sei. Hierzu zähle vor allem ein so genannter Reizmagen. Die unkritische Einnahme von PPI bei unspezifischen und teils auch ernährungsbedingten Magenbeschwerden – etwa Aufstoßen, Völlegefühl oder Übelkeit – werde zudem dadurch begünstigt, dass die Medikamente auch freiverkäuflich in Apotheken abgegeben würden. Aus dem gelegentlichen Griff zu den Protonenpumpen-Hemmern könne schnell eine Dauereinnahme werden.