Alkohol-Abstinenz die bessere Wahl als „kontrolliertes Trinken“


  • Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Alkoholabhängige Patienten konnten nach einer ambulanten Behandlung ihren Alkoholkonsum auch durch „kontrolliertes Trinken“ reduzieren. Personen, die sich für den vollständigen Verzicht entschieden, erlitten im Vergleich jedoch weniger Rückfälle und mussten sich seltener erneut behandelt werden. Das Konzept des „kontrollierten Trinkens“ ist daher nicht nur weniger erfolgversprechend, sondern auch kostenintensiver.

Hintergrund

Das „kontrollierte Trinken“ ist unter Suchtexperten umstritten. Einige sehen darin eine gute Behandlungsmöglichkeit für Menschen, die nicht zu einer völligen Abstinenz bereit sind. Andere halten die Strategie für verfehlt, da sie Alkoholabhängige in der falschen Hoffnung bestärke, dass sie ihren Konsum konstant auf einem niedrigen Niveau halten können. Ein Schweizer Suchtexperte hat nun den Nutzen des „kontrollierten Trinkens“ in einer Umfrage untersucht.

Design

450 alkoholkranke Klienten ambulanter Beratungsstellen wurden bei Behandlungsende sowie ein Teil davon im Follow-up befragt, und entsprechend ihrem Konsumziel in drei Gruppen aufgeteilt. Der „problematische Alkoholkonsum“ sowie die Kosten für ambulante/stationäre Behandlungen und Arbeitsabwesenheit wurden für die 12 Monate vor respektive 6 und 12 Monate nach Behandlungsende ermittelt. Die Analyse umfasst 116 Personen mit vollständigem Datensatz.

Hauptergebnisse  

Rund 70 Prozent der Personen, die sich bei der Entlassung für ein kontrolliertes Trinken entschieden hatten, teilten mit, dass sie ihren reduzierten Alkoholkonsum nach dem Behandlungsende beibehalten oder sogar vermindern konnten. Die Hälfte erklärte, an 20 Tagen pro Monat gar keinen Alkohol zu trinken.

Patienten, die sich für eine komplette Abstinenz entschieden hatten, schnitten jedoch insgesamt noch besser ab. Fast neun von zehn (89,1 Prozent) gelang es, im ersten Jahr nach der Behandlung auf einen problematischen Alkoholkonsum zu verzichten. Mit dem kontrollierten Trinken gelang dies weniger als der Hälfte (44,7 Prozent). 

Auch die Zahl derer, die aufgrund von Alkoholexzessen erneut in einer ambulanten oder stationären Therapie waren, war unter den Patienten, die eine Abstinenz angestrebt hatten, geringer. Einige von ihnen wurden zwar rückfällig, doch sieben von zehn (71 Prozent) hatten es geschafft, auf übermäßigen Alkoholkonsum zu verzichten. Mit dem Therapieziel „kontrolliertes Trinken“ war dies nur jedem Dritten (36 Prozent) gelungen.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse sprechen aufgrund der größeren Wirksamkeit und geringeren Kosten für das Gesundheitswesen für das Konzept „vollständige Abstinenz“.  Bei Personen mit anderen Zielsetzungen als der Abstinenz ist eine Modifikation der Behandlung zu überdenken. Allerdings sollte Personen, die dazu nicht bereit sind, die Möglichkeit des kontrollierten Trinkens nicht verwehrt werden, so der Autor Professor Martin Sieber aus Zollikon bei Zürich.

Finanzierung: keine Angaben