Alirocumab-Endpunkt-Studie belegt kardiovaskulären Nutzen des Cholesterinsenkers


  • Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der PCSK9-Hemmer Alirocumab hat bei Patienten nach akutem Koronar-Syndrom, die ein Statin erhielten, den primären kombinierten Wirksamkeits-Endpunkt erreicht, also signifikant besser abgeschnitten als Placebo. Der Antikörper hat demzufolge einen kardiovaskulären Nutzen. 

Hintergrund

Patienten mit einem akuten Koronar-Syndrom haben ein besonders erhöhtes Risiko für erneute kardiovaskuläre ischämische Ereignisse. Eine Standard-Therapie für diese Patienten ist eine Statin-Therapie. In der Alirocumab-Endpunkt-Studie ODYSSEY OUTCOMES wurde untersucht, ob der PCSK9-Hemmer das kardiovaskuläre Ergebnis bei Patienten mit hochdosierter Statin-Therapie noch weiter verbessern kann. Ergebnisse der Multizenter-Studie wurden bereits im März dieses Jahres beim Jahreskongress des „American College of Cardiology“ in Orlando vorgestellt.

Design

Prospektive placebo-kontrollierte Phase-3-Studie mit kardiovaskulären Endpunkten; 18.924 Teilnehmer (Durchschnittsalter knapp 59 Jahre, 25 Prozent Frauen). Geprüft wurde der kardiovaskuläre Nutzen des PCSK9-Hemmers bei Patienten mit einem akuten Koronarsyndrom in der Vorgeschichte (1 bis 12 Monate) und intensiver oder maximal verträglicher Statin-Therapie. Je 9462 Patienten erhielten den Antikörper (75 mg subkutan alles zwei Wochen) oder ein Placebo. Primärer Endpunkt war die Kombination der Einzel-Endpunkte KHK bedingter Tod, nicht-tödlicher Myokardinfarkt, tödlicher oder nicht-tödlicher ischämischer Schlaganfall und Hospitalisierung wegen instabiler Angina pectoris.

Hauptergebnisse

Patienten mit Alirocumab schnitten beim primären Endpunkt signifikant besser ab als die Patienten der Placebo-Gruppe. Hier die konkreten Zahlen zum Haupt-Ergebnis (primärer Wirksamkeit-Endpunkt): 

Alirocumab-Gruppe 9,5% versus 11,1% in der Kontroll-Gruppe; absolute Risikoreduktion: 1,6 Prozentpunkte; relative Risikoreduktion 15% (HR 0,85, 95% CI 0,78 - 0,93, p

Von dem Antikörper profitierten die Patienten am meisten, deren Ausgangs-LDL-C-Wert bei mindestens 100 mg/dl lag. Den primären Wirksamkeits-Endpunkt erfüllten in der Alirocumab-Gruppe 11,5 Prozent der Patienten, in der Kontroll-Gruppe 14,9 Prozent. Dies entspricht einer relativen Risikoreduktion um 24 Prozent (HR 0,76). Die Berechnungen ergaben für die Untergruppe von Patienten eine NNT für den primären Endpunkt von 16 bezogen auf vier Jahre. Bei Patienten mit LDL-C-Ausgangs-Werten von unter 80 und 80 bis 99 mg/dl war der Effekt beim primären Endpunkt deutlicher geringer. Die Werte für die relative Risikoreduktion betrugen hier 14 und vier Prozent, für die absolute Reduktion 1,2 und 0,3 Prozentpunkte.

Hier Ergebnisse zu einzelnen Endpunkten (Alirocumab versus Placebo):

  • KHK-bedingter Tod: 2,2% versus 2,3 % (p=0,38)
  • Nicht-tödlicher Herzinfarkt: 6,6% versus 7,6%, (HR 0,86, CI 0,77 – 0,96, p = 0,006)
  • Tödlicher und nicht-tödlicher ischämischer Schlaganfall: 1,2% vs. 1,6%, (HR 0,73, 0,57 – 0,93, p = 0,01)
  • Hospitalisierung wegen instabiler Angina: 0,4% versus 0,6 (HR 0,61, 0,41 – 0,92, p = 0,02)
  • Gesamt-Mortalität: 3,5% versus 4,1% (HR=0,85; 0,73-0,98, p = 0,026).

Klinische Bedeutung

Die Endpunkt-Studie zu dem PCSK9-Hemmer, der ohne Studien-Daten zu kardiovaskulären Nutzen zugelassen worden war, wurde lange erwartet. Wie die bereits früher publizierte kardiovaskuläre Endpunkt-Studie FOURIER mit Evolocumab zeigt auch die Alirocumab-Studie, dass die PCSK-9-Hemmung vor kardiovaskulären Komplikation schützen kann.  Dies bedeutet: Es gibt wirksame Optionen für Hochrisiko-Patienten, bei denen Statine nicht die erwünschte Wirkung haben oder aufgrund von Unverträglichkeit nicht hochdosiert oder gar nicht verabreicht werden können. Zudem stellen die PCSK9-Hemmer eine Alternative zur LDL-Apherese dar. 

Zu den wesentlichen Fragen, auf die es je nach Perspektive und Interessenlage unterschiedliche Antworten gibt, gehört die Frage, welcher Antikörper für welche Patenten der geeignetere ist, und zudem natürlich die Standard-Frage, ob das Preis-Leistungs-Verhältnis angemessen ist. 

Finanzierung: Sanofi and Regeneron Pharmaceuticals