Alarmierender Trend: Masern-Infektionen nehmen weltweit zu


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Die Zahl der gemeldeten Masern-Infektionen ist im vergangenen Jahr weltweit um 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Dies geht einem Bericht der WHO im Weekly Epidemiological Record hervor. Danach wurde auch in Deutschland eine Zunahme der Erkrankung verzeichnet. Die Entwicklung ist laut WHO auf einen erheblichen Rückgang der Impfungen zurückzuführen. Gründe dafür seien in den europäischen Ländern vor allem Nachlässigkeit und Impfmüdigkeit. Häufig erfolge die zweite Impfung zu spät.

Hintergrund

Ob Polio, Diphtherie, Mumps oder Röteln – Viele dieser Infektionen sind auf Grund der allgemeinen Impfempfehlungen selten geworden. Das gilt auch für die Masern-Erkrankung. So ist nach einer aktuellen Analyse aller Daten der WHO und der US-Gesundheitsbehörde CDC die Zahl der Ansteckungen bei Masern seit dem Jahr 2000 um 85 Prozent zurückgegangen. 21 Millionen Menschenleben seien gerettet worden. Im „Global Vaccine Action Plan“ von 2012 wurde festgelegt, dass Masern bis 2020 in fünf der sechs WHO-Regionen eliminiert werden sollen.

Ergebnisse

Seit diesem Jahr gibt es allerdings einen alarmierenden Trend: Immer weniger Kinder werden weltweit gegen Masern geimpft. Die Zahl der Masern-Infektionen ist im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr weltweit um 31 Prozent gestiegen. In diesem Jahr wiederum seien es schon bis November zehn Prozent mehr Fälle gewesen als 2017, heißt es im WHO-Bericht.

Von den 53 Staaten der europäischen WHO-Region haben 37 die Masern eliminiert. Hierzulande sind nach Angaben der deutschen Nationalen Verifizierungskommission Masern/Röteln (NAVKO) im vergangenen Jahr 929 Masernfälle (Inzidenz: 10,5 pro 1 Mio Einwohner) gemeldet worden, nach 325 Erkrankungen (Inzidenz 3,3) im Jahr davor. Damit ist Deutschland von der bis 2020 angestrebten Elimination von Masern in Europa weit entfernt.

Klinische Bedeutung

Die WHO kritisiert die Impfmüdigkeit in einigen europäischen Ländern, wie in Deutschland. Zwar befürworten hierzulande laut NAVKO 95 Prozent der Eltern die Masernimpfung, jedoch werden viele Kinder zu spät geimpft: Bis zum Ende des zweiten Lebensjahres wiesen nach der KV-Impfsurveillance nur 74 Prozent den kompletten Schutz mit zwei Impfdosen auf. Dabei empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) die erste Impfung gegen Masern für Kleinkinder im Alter zwischen elf und 14 Monaten, die zweite dann zwischen 15 und 23 Monaten.