Akutes Koronarsyndrom: Zweifel am Screening auf Depressionen

  • JAMA Internal Medicine

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom ohne Depression in der Vorgeschichte hat ein systematisches Screening - mit oder ohne antidepressive Therapie - keinen Einfluss auf die qualitätsangepassten Lebensjahre, die Zahl der Tage ohne Depressionen oder auf gesundheitliche Schäden.

Hintergrund

Patienten mit akutem Koronarsyndrom (AKS) und Depression haben Beobachtungsstudien zufolge ein erhöhtes Risiko für erneute kardiovaskuläre Ereignisse und Mortalität und eine verminderte Lebensqualität. Mehrere wissenschaftliche Gremien haben vorgeschlagen, AKS-Patienten systematisch auf Depression zu screenen. Die Autoren der vorliegenden Studie sind daher der Frage nachgegangen, ob ein systematisches Screening auf Depression AKS-Patienten mehr nützt als die herkömmliche Versorgung.

Design

Zwischen dem 1. November 2013 und dem 31. März 2017 wurden 1500 Patienten (424 Frauen und 1076 Männer; mittleres Alter 65,9 Jahre) mit ACS aus vier Gesundheitssystemen eingeschlossen. Die Nachsorge endete am 31. Juli 2018. Aufgenommen wurden Patienten, die in den letzten 2 bis 12 Monaten wegen eines AKS ins Krankenhaus eingeliefert worden waren und in der Vorgeschichte keine Depressionen hatten. Alle Analysen wurden auf Intent-to-Treat-Basis durchgeführt. Die AKS-Patienten erhielten nach dem Zufallsprinzip 1: 1: 1 ein 

  1. Depressions- Screening (8-Punkte-Patienten-Fragebogen) mit Benachrichtigung der Hausärzte und Bereitstellung einer von den Patienten bevorzugten Depressionsversorgung für diejenigen mit positivem Screening-Ergebnisse (Screening, Benachrichtigung und Behandlung, n = 499); 
  2. Depressions-Screening mit Benachrichtigung der Hausärzte bei positiven Screening-Ergebnissen (Screening und Benachrichtigung, n = 501) und
  3. übliche Versorgung (kein Screening, n = 500).

Das Hauptkriterium war die Veränderung der qualitätsangepassten Lebensjahre, das sekundäre Kriterium war die Zahl der depressionsfreien Tage. Nebenwirkungen und Mortalität wurden anhand von Patienten-Interviews und Krankenhausakten beurteilt.

Hauptergebnisse 

Nur 7,1 Prozent der AKS-Patienten hatten einen 8-Punkte-Fragebogen zur Patientengesundheit, der auf depressive Symptome hinwies.

Es gab keine Unterschiede bei der mittleren Veränderung der qualitätsangepassten Lebensjahre: 

  • Screening, Benachrichtigen und Behandeln: –0,06 [0,20]; 
  • Screening und Benachrichtigen: –0,06 [0,20]; 
  • Kein Screening: –0,06 [0,18]; p = 0,98) 

Auch bei der Zahl der depressionsfreien Tage wurden keine signifikanten Unterschiede festgestellt: 

  • Screening, Benachrichtigung und Behandlung: 343,1 Tage 
  • Screening und Benachrichtigung: 351,3 Tage
  • kein Screening;  339,0 Tage

Unterschiede bei gesundheitlichen Schäden (etwa Blutungen oder Schlafstörungen) gab es ebenfalls nicht.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse der Studie sprechen nicht dafür, Patienten mit akutem Koronarsyndrom systematisch auf Depressionen zu screenen. Bestehende Empfehlungen für ein solches Screening bei Patienten mit AKS sollten daher möglicherweise überdacht werden müssen, raten die Autoren. 

Finanzierung: National Heart, Lung, and Blood Institute.