Akutes Koronarsyndrom: Nutzen der routinemäßigen Sauerstoff-Gabe nicht nachweisbar

  • European Society of Cardiology (ESC)

  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Die Ergebnisse der NZOTACS-Studie (New Zealand Oxygen Treatment bei akutem Koronarsyndrom) – nun erstmals auf dem Kongress der European Society of Cardiology vorgestellt – zeigen, dass die routinemäßige Sauerstoff-Gabe bei Patienten mit Verdacht auf akutem Koronarsyndrom (ACS) keine nachweisbaren Auswirkungen auf die 30-Tage-Mortalität hat.

Hintergrund

Die DETO2X-AMI-Studie aus Schweden zeigte vor zwei Jahren, dass Patienten (n= 6.200) mit Verdacht auf oder mit diagnostiziertem Herzinfarkt bezüglich der 1-Jahres-Mortalität nicht von einer hoch oder niedrig dosierten Sauerstoffgabe profitieren.

In der nun durchgeführten NZOTACS-Studie untersuchten Forschende 40.872 ACS-Patienten in Neuseeland hinsichtlich der 30-Tage-Mortalität. Ziel der Untersuchungen war es, vorteilhafte oder nachteilige Effekte einer Sauerstoffgabe bei nicht oder leicht hypoxämischen Patienten mit bestätigtem oder vermutetem akuten Koronarsyndrom zu identifizieren.

Patienten profitieren nicht von einer routinemäßigen Sauerstoff-Gabe

In der randomisierten Cluster-Crossover-Studie wurde zwei verschiedene Protokolle zur routinemäßigen Sauerstoff-Gabe in 24 neuseeländischen Studienzentren (Ambulanzen, Notaufnahmen oder Intensivstationen) über einen Zeitraum von zwei Jahren miteinander verglichen.

Das „high oxygen“-Protokoll wurde unabhängig von der Sauerstoffsättigung (SpO2) des Blutes für Patienten mit ischämischen Symptomen oder EKG-Auffälligkeiten empfohlen. Das „low oxygen“-Protokoll  war dagegen eine Empfehlung für Patienten mit einer SpO2 unter 90 % und sollte bis zum Erreichen einer SpO2 von 94 % angewendet werden.

Bei beiden Protokollen gab es nach 30 Tagen keinen Unterschied in der Mortalität (3 % hoher Sauerstoffgehalt vs. 3,1 % begrenzter Sauerstoffgehalt), was die Forschenden darauf schließen lässt, dass die Sauerstoff-Gabe keinen eindeutigen Nutzen oder Schaden für ACS-Patienten aufweist. Die meisten Studienteilnehmer, 85 % bis 90 %, hatten normale Sauerstoffsättigungswerte im Blut und es war unwahrscheinlich, dass sie von dem Protokoll mit hohem Sauerstoffgehalt profitierten.

Allerdings war das Mortalitätsrisiko bei Patienten mit Hypoxämie vier- bis fünfmal höher und ließ sich um 1 % reduzieren, wenn sie Sauerstoff bekamen. Die Anzeichen für einen Nutzen in dieser Gruppe waren jedoch nicht signifikant. Für den zuverlässigen Nachweis eines Nutzens bei dieser Patientengruppe sind nun detaillierter Studien erforderlich.

Finanzierung: National Heart Foundation of New Zealand