Akuter Thoraxschmerz, erhöhtes Troponin, Nikotin-Abusus, aber keine KHK

  • Dtsch Med Wochensch

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Fall der Woche
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Starke akute Brustschmerzen und erhöhte Troponin-Werte bei einem Raucher sind verdächtig auf ein akutes Koronarsyndrom. Eine genaue Anamnese, auch Berufsanamnese, ist selbstverständlich dennoch unverzichtbar, wie die Krankheitsgeschichte eines Mannes zeigt, die Münchener Ärzte schildern.

Der Patient und seine Geschichte

Der Mann, ein 33-jähriger rumänischer Koch, seit wenigen Wochen in Deutschland lebend, kommt wegen akuten Brustschmerzen in die Notaufnahme. Außer plötzlich aufgetretenem starkem Druck hinter dem Brustbein habe er Kaltschweißigkeit und Übelkeit sowie am Vortag Schüttelfrost und starke Müdigkeit gehabt, berichten Dr. med. Julius Steffen (Klinikum der Universität München) und seine Kollegen. Weitere Symptome habe der Mann verneint, ebenso die Einnahme von Medikamenten und Alkohol-Konsum; die Frage nach Nikotin-Abusus wird bejaht. 

Die Befunde

  • Patient in deutlich reduziertem Allgemeinzustand
  • Blutdruck 127/85 mmHg, Herzfrequenz 85/min, Sauerstoffsättigung 98 %, Temperatur 37,2 °C
  • 12-Kanal-EKG: keine relevanten ST-Streckenhebungen 
  • C-reaktives Protein (CRP) sechsfach erhöht
  • Troponin T: 0,552 ng/ml
  • Kreatinkinase (CK): 887 U/L
  • NT-pro-BNP: 516 pg/ml 
  • Echokardiographie: normale linksventrikuläre Funktion ohne Perikarderguss oder relevante Klappenvitien.
  • Koronarangiographie: keine KHK
  • Kernspintomographisch: Myokarditis

Aufgrund rezidivierender Fieberschübe, Ähnlichkeit  mit einem älteren Fall und passender Sozialanamnese (Koch sowie Herkunft) stellten die Ärzte die Verdachtsdiagnose Myokarditis durch Q-Fieber („Balkan-Fieber“). 

Therapie und Verlauf

Der Patient erhielt sofort Azithromycin 500 mg für 3 Tage. Serologisch seien später Phase-II-IgM-Antikörper gegen Coxiella burnetii sowie höhere Phase-II- (1:256) als Phase-I-IgG-Titer (1:32) im Sinne einer akuten Q-Fieber-Erkrankung nachgewiesen worden. 

Unter der Antibiotika-Therapie sowie Ramipril (5 mg) und Bisoprolol (5 mg) klinische Besserung, Sistieren der Fieberschübe, Normalisierung von CRP, Troponin und CK. Entlassung mit antibiotischer Dauertherapie.

Diskusssion

Dieser Fall unterstreicht nach Angaben der Autoren die Bedeutung „gründlicher differenzial-diagnostischer Überlegungen sowie einer fundierten Anamnese und ätiologischen Abklärung bei unklarem Fieber.“ 

Q-Fieber ist eine weltweit verbreitete Zoonose. In der Anamnese von Q-Fieber-Patienten finde sich häufig Kontakt zu Nutztieren, in deren Exkrementen die Sporen von Coxiella burnetii lange Zeit überdauern könnten, erläutern die Autoren. Die hoch virulenten Sporen könnten sich mit dem Wind hunderte Meter weit ausbreiten, sodass direkter Tierkontakt nicht zwingend erforderlich sei.