Akupunktur und Akupressur reduzieren Tumorschmerz und helfen, Opioide einzusparen

  • JAMA Oncology

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine Metaanalyse aus prospektiv randomisierten, kontrollierten Studien mit mehr als tausend Tumorschmerzpatienten ergibt, dass Akupressur und Akupunktur die Schmerzintensität signifikant vermindern, und die für eine gute Schmerzkontrolle erforderlichen Analgetika einsparen helfen.

Hintergrund
Circa 70 Prozent der Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen haben tumorbedingte Schmerzen. Diese können aber nur bei etwa der Hälfte medikamentös gut kontrolliert werden. Zu den Ursachen einer unzureichenden Behandlung gehören Unterdosierung oder Vermeidung von Analgetika wegen unerwünschter Arzneimittelwirkungen oder – und dies vor allem bei Opioiden – der Furcht vor einer Medikamentenabhängigkeit.

Design

  • Screening von Studien in wissenschaftlichen biomedizinischen Datenbanken englischer und chinesischer Sprache zur Frage der analgetischen Wirksamkeit von Akupressur und Akupunktur
  • Einschlusskriterien: prospektive Randomisierung der Patienten in Behandlungsgruppen mit Akupressur oder Akupunktur und in Kontrollgruppen, die entweder eine Scheinbehandlung (Impulse an Nicht-Akupunktur/-Akupressurpunkten) erhielten, eine andersartige Schmerztherapie als Akupressur oder Akupunktur oder auf der Warteliste standen
  • Ziele der Studien: signifikante Verminderung der Schmerzintensität oder ausschließlich eine Reduktion der Dosis von Opioiden (2 Studien)
  • Schmerzmessung: übliche Skalen wie die Visual Analog Scale, deren Werte in ein Punktesystem zwischen 0 (kein Schmerz) und 10 (starker Schmerz) umgewandelt wurden
  • Studienqualität: Die randomisierten Studien wurden als qualitativ hochwertig beurteilt, wenn ihr Aufbau den Kriterien der Cochrane Collaboration entsprach

Hauptergebnisse
17 prospektive randomisierte, kontrollierte Studien mit insgesamt 1.111 Tumorschmerzpatienten wurden eingeschlossen. Bei den Patienten von 13 Studien war der Schmerz krebsspezifisch, zum Beispiel als Aromatase-Inhibitor-induzierte Arthralgie, als maligner neuropathischer Schmerz oder organspezifischer Tumorschmerz. Verum-Akupunktur oder-Akupressur verminderten die Schmerzintensivtät statistisch signifikant um durchschnittlich 1,38 von 10 maximal möglichen Punkten.

Wurden die beiden traditionell chinesischen Verfahren mit medikamentöser Analgesie kombiniert, verminderte sich die Schmerzintensität in der Verumgruppe um durchschnittlich 1,44 Punkte. In den beiden Studien, die eine Dosisreduktion von Opioiden als primären Endpunkt hatten, benötigten die Patienten täglich weniger Analgetika, nämlich ein Äquvalent von 30 mg Morphin pro Tag.

Klinische Bedeutung
Akupressur und Akupunktur sind einer Metaanalyse prospektiv randomisierter Studien zufolge wirksam gegen Tumorschmerz. Die Effektivität der beiden nicht medikamentösen Verfahren sei in der Metaanalyse signifikant gegenüber Scheinbehandlungen oder üblichen Standards gewesen. Der Effekt wird aber von den Autoren wegen der Heterogenität der Studien als „moderat“ bewertet. Obwohl daher weitere qualitativ hochwertige Untersuchungen erforderlich seien, liege die klinische Bedeutung schon heute darin, dass Analgetika durch Akupressur und Akupunktur reduziert oder vermieden werden könnten. Dies gelte auch postoperativ.

Finanzierung: öffentliche Mittel