Aktualisierte Syphilis-Leitlinie: Neue Schnelltests ermöglichen frühe Diagnose

  • Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG)

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Sexuell übertragbare Infektionen wie die Syphilis bedrohen nach wie vor die Gesundheit. Neue Schnelltests machen eine frühe Diagnose und damit eine frühzeitige Behandlung möglich. Ergänzend helfen Partner-Benachrichtigung, Partner-Behandlung und Postexpositions-Prophylaxen, die Infektionsketten früh zu unterbrechen. Darauf weisen Experten der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft e. V. (DDG) und der Deutschen STI Gesellschaft (DSTIG) in der jüngst aktualisierten Leitlinie zur Behandlung der Syphilis hin.

Point-of-care-Tests (POCT) zum Abstrich-Erregernachweis

In die Leitlinie neu aufgenommen sind die so genannten point-of-care-Tests (POCT) zum Abstrich-Erregernachweis aus ulzerierten (also „geschwürigen“) oder nässenden Verletzungen. Dabei handelt es sich um Nukleinsäure-Amplikationstests (NAAT), die den mikroskopischen Erregernachweis (Dunkelfeldmikroskopie) durch ihre höhere Spezifität und Sensitivität weitgehend ersetzen können, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von DDG und DSTIG.

Benachrichtigung und Behandlung des Sexualpartners

Auch das Kapitel zur Partner-Benachrichtigung, Partner-Behandlung und Prophylaxe wurde in der Neufassung erheblich erweitert. So sollen bei einer Primärsyphilis die Sexualpartner der letzten drei Monate, bei einer Sekundärsyphilis der letzten zwölf Monate bezüglich einer möglichen Ansteckung informiert werden. Bei einem relevanten Erregerkontakt soll eine Postexpositions-Prophylaxe (1x Benzathin-Benzylpenicillingabe) durchgeführt werden. Leitlinienkoordinator Helmut Schöfer betont: „Wenn es gelingt, die Sexualpartner früh zu benachrichtigen und zu behandeln, können Infektionsketten unterbrochen, Re-Infektionen vermieden und die kollektive wie individuelle Krankheitslast gesenkt werden.“

Dabei ist dem Experten sehr wohl bewusst, dass es für den jeweiligen Patienten schwierig sein könne, mit seinen Sexualpartnern über eine mögliche Ansteckung zu sprechen. Hier sei im Aufklärungsgespräch auf ärztlicher Seite viel Empathie nötig, „um gemeinsam mit dem Patienten eine Strategie zu entwickeln, mit der möglichst alle infrage kommenden Sexualpartner informiert, untersucht und ggf. behandelt werden können“.

Makrolid-Antibiotika fallen in der Therapie weg

Weitgehend unverändert in der aktualisierten Fassung sind bis auf das Wegfallen der Makrolid-Antibiotika (darunter Erythromycin, Azithromycin) die therapeutischen Empfehlungen. Benzathin-Benzylpenicillin (Depotpenicillin gluteal) bleibt weiterhin Therapie der Wahl. Als Alternativen, beispielsweise bei Penicillinallergie oder Kontraindikationen für intramuskuläre Injektionen, empfiehlt die Leitlinie Doxycyclin oder Ceftriaxon. Für Schwangere, aber auch für Syphilis-Patienten mit einer HIV-Koinfektion gelten die gleichen Therapieschemata.

Während im zurückliegenden Jahrzehnt die Fallzahlen jedes Jahr anstiegen, konnte nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) im Jahr 2018 erstmals ein kleiner Rückgang um 2,6 Prozent auf insgesamt 7.332 Syphilis-Fälle verzeichnet werden. Das anhaltend hohe Niveau an gemeldeten Syphilis-Infektionen zeige allerdings, wie wichtig eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sei, um "Infektionsketten möglichst frühzeitig zu unterbrechen“, sagt Professor Elsner, Direktor der Klinik für Hautkrankheiten am Universitätsklinikum Jena und Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit der DDG.

Mit der aktualisierten Leitlinie zum Syphilis-Management sollen laut der Leitlinien-Autoren die diagnostische und therapeutische Sicherheit für die Patienten verbessert werden. Aber auch Aufklärung über sexuell übertragbare Krankheiten und Risikominimierung beispielsweise durch einen Kondomschutz blieben wichtig.