Aktualisierte S1-Leitlinie zu neurogenen Blasenstörungen veröffentlicht

  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Die S1-Leitlinie „Diagnostik und Therapie von neurogenen Blasenstörungen“ (AWMF-Registernummer: 030/121) ist überarbeitet worden und steht nun in der Neufassung zur Verfügung. Koordiniert hat die Überarbeitung der Neurologe und Neurophysiologe Professor Dr. Carl-Albrecht Haensch (Mönchengladbach).

 Was es Neues gibt

  • Mirabegron ist ein selektiver Agonist des humanen β-3-Adrenozeptors (β-3-AR), der im Detrusor lokalisiert ist. Dieses Medikament ist ein neuer Therapieansatz bei der Detrusorüberaktivität. Die klinischen Erfahrungen bei der neurogenen Blasenstörung sind noch begrenzt.
  • Als Screeningmethode wird die Restharn-Messung (sonographisch oder per Einmalkatheterismus) empfohlen.

Die wichtigsten Empfehlungen der Leitlinie

Aufgrund der klinischen Symptome sowie der apparativen Zusatzuntersuchungen ist nach Angaben der Autoren eine Einteilung der neurogenen Blasenstörung in Detrusorüberaktivität, Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie, hypokontraktiler Detrusor sowie hypoaktiver Sphinkter sinnvoll.

Bei einer Detrusorüberaktivität können therapeutisch ein Blasentraining, die pharmakologische Therapie mit einem Antimuskarinikum (Anticholinergikum), die chronische Sakralwurzelstimulation, die intravesikale Botulinumtoxin-Injektion sowie die Blasenaugmentation erfolgreich eingesetzt werden. Ein neuer Therapieansatz bei der Detrusorüberaktivität ist Mirabegron.

Bei der Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie kommen therapeutisch ein sauberer Einmalkatheterismus, eine antimuskarinerge (anticholinerge) Therapie, die intravesikale Botulinumtoxin-Injektion, die sakrale Vorderwurzelstimulation (kombiniert mit dorsaler Rhizotomie), die Sphinkterotomie sowie die Blasenaugmentation infrage.

Bei einem hypokontraktilen Detrusor sollten ein Therapieversuch mit einer vorübergehenden suprapubischen Harndauerableitung, eine Therapie mit einem Cholinergikum, mit einem Alphablocker, eine chronische Sakralwurzelstimulation sowie ein sauberer Einmalkatheterismus unternommen werden.

Bei einem hypoaktiven Sphinkter kommen Beckenbodentraining, Biofeedbacktraining, Duloxetin, ein artifizielles Sphinktersystem sowie eine transurethrale Unterspritzung des Sphinkters mit sogenannten Bulking agents infrage.

Patienten mit  Nykturie können in Abhängigkeit von der Ursache mit Desmopressin oder einem Antimuskarinikum (Anticholinergikum) behandelt werden.