Aggressives Verhalten und Gewalt in Klinik-Notaufnahmen offenbar Alltag


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

In Klinik-Notaufnahmen ist Gewalt gegen Ärzte und Pflegekräfte anscheinend an der Tagesordnung. Beinahe täglich kommt es zu einer Gewalttat. Es muss daher für die Sicherheit des Personals gesorgt werden.

Hintergrund

Es gibt immer wieder Berichte über Gewalttaten gegen Ärzte in Praxen und Kliniken, gegen Pflegekräfte und sogar gegen Notfallmediziner und Rettungssanitäter, die sich gerade in einem Einsatz befinden. Notaufnahmen von Krankenhäusern sind als „gewaltintensive“ Orte bekannt, dennoch sei die tatsächliche Inzidenz von Gewalttaten in Notaufnahmen im deutschsprachigen Raum wenig erforscht, argumentieren die Autoren der aktuellen Studie. Ziel ihrer Studie war es, an einem innerstädtisch gelegenen Universitätsklinikum die Gewaltvorfälle gegen das Personal der Notaufnahme zu erfassen und nach Parametern wie Form der Gewalt und Häufung bei bestimmten Patientengruppen auszuwerten.

Design

Das Universitätsklinikum Frankfurt ist ein innerstädtisch gelegenes Krankenhaus mit knapp 1500 Betten. Im Jahresdurchschnitt werden ca. 270.000 Patienten ambulant behandelt. In der Zentralen Notaufnahme des Universitätsklinikums Frankfurt (ZNA) wurden im angegebenen Zeitraum 18.121 Patienten aus den Bereichen innere Medizin, Urologie, Unfall‑, Gefäß‑, Allgemein-, und Herz-Thorax-Chirurgie behandelt. Über den Zeitraum von einem Jahr (März 2017 bis Februar 2018) wurden die Fälle von physischer und verbaler Gewalt in dieser Notaufnahme von den Mitarbeitern schriftlich dokumentiert und retrospektiv ausgewertet. In der Auswertung fehlen die Fälle der Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie, da diese Abteilungen eigene Notaufnahmen besitzen.

Zu körperlicher Gewalt zählten leichtere Vergehen wie Schubsen und Kratzen, aber auch schwerere Gewalttaten wie Schläge, Bisse und Tritte. Als aggressives Verhalten wurden alle Vorfälle gezählt, in denen es nicht zu körperlichem Kontakt mit Mitarbeitern kam. Unter anderem wurde in dieser Gruppe Vandalismus, vorsätzliches Urinieren in Behandlungskabinen, ungerichtetes Werfen von Gegenständen und Spucken auf Boden, Wände oder sonstige Kabinenausstattung zusammengefasst.

Hauptergebnisse

  • Die Gesamtzahl der dokumentierten Vorfälle betrug im Zeitraum März 2017 bis Februar 2018 544. Umgerechnet auf 18.121 behandelte Patienten entspricht dies einer Rate von drei Prozent. Dies entspricht einem Vorfall alle 0,7 Tage.
  • Eine Zunahme von Gewalttaten gab es während der Abendstunden (10,3 % versus 67,8 %). 
  • Intoxikierte Patienten (Alkohol und andere Drogen) sorgten für den größten Anteil an Gewalttaten; sie waren signifikant häufiger aggressiv als nicht-intoxikierte Patienten (63,72 % versus 31,65 %). Nicht-intoxikierte Patienten waren in der Regel nur verbal aggressiv. 
  • Eine Deeskalation durch Personal in der Notaufnahme war in knapp 63% der Fälle erfolgreich, dennoch war in einem Drittel der Fälle die Hilfe von Polizei oder internem Sicherheitsdienst notwendig, insbesondere bei intoxikierten Patienten.

Klinische Bedeutung

Notaufnahmen in Großstädten sind dieser und auch anderer Studien zufolge für das dort arbeitende Personal ein Ort mit hohem Gefahrenpotenzial. Ein hohes Gewaltaufkommen sorgt für angespannte und gestresste Mitarbeiter. Eine Hilfe für das in den Notaufnahmen arbeitende Personal könnte nach Angaben der Autoren ein speziell geschulter Sicherheitsdienst sein, vor allen Dingen in den Abend- und Nachtstunden. Zu beachten bleibe jedoch, dass alleine die Anwesenheit von uniformierten Sicherheitskräften Gewalt auch fördern könne. Auch bauliche Veränderungen, etwa Schutzwände aus Panzerglas  Kameras und Metalldetektoren könnten zu einem Schutz und verbesserten Sicherheitsgefühl der Mitarbeiter beitragen, jedoch ist deren Wirkung noch nicht in Studien bewiesen worden. Hilfreich könnten vielleicht auch Schulungen in Deeskalation sein. Jedoch fehlten noch Ergebnisse zur Langzeitwirksamkeit solcher Schulungsmaßnahmen.

Finanzierung: Keine Angaben