Aggressive Blutdruck-Therapie schützt manche Patienten vor Demenz - vielleicht


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Eine intensive Blutdruck-Therapie schützt einen Teil der Bluthochdruck-Patienten möglicherweise vor leichter kognitiver Beeinträchtigung und Demenz. 

Hintergrund

Dass Bluthochdruck das Gehirn gefährdet und eine antihypertensive Therapie das Gehirn schützen kann, ist bekannt. Die seit Jahren diskutierten Fragen sind die, welche Blutdruck-Zielwerte für einen optimalen Hirnschutz angestrebt werden sollten. Besonders intensiv diskutiert werden die Zielwerte seit Erscheinen der Studie „SPRINT“ vor knapp drei Jahren („New England Journal of Medicine“)Diese von den „National Institutes of Health“ finanzierte US-Studie ergab beim primären kombinierten Endpunkt (Herzinfarkt, akutes Koronarsyndrom, Schlaganfall, Herzversagen oder kardiovaskulärer Tod nach knapp 3,3 Jahren) eine relative Risikoreduktion von 25 Prozent (5,2 versus 6,8 %) zu Gunsten der intensiven Blutdruck-Senkung. Beim Parameter Gesamtmortalität betrug die Risikoreduktion 27 Prozent. Nun sind auch Ergebnisse der SPRINT-Substudie „SPRINT MIND“ (SPRINT Memory and Cognition In Decreased Hypertension) vorgestellt worden, allerdings nur vorläufige und auch nicht alle Daten.

Design

An SPRINT nahmen 9361 mindestens 50 Jahre alte Bluthochdruck-Patienten (systolisch mindestens 130 mmHg, maximal 180) mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko teil. Ausgeschlossen waren allerdings Patienten mit Diabetes mellitus und Patienten, die bereits einen Schlaganfall erlitten hatten. In der Prüf-Gruppe mit einem Zielwert von unter 120 mmHg waren 4678 Patienten, in der Kontroll-Gruppe mit einem Zielwert von unter 140 mmHg 4683 Patienten. Rund 36 Prozent waren Frauen. Das Durchschnittsalter betrug 68 Jahre; fast 30 Prozent der Studienteilnehmer waren mindestens 75 Jahre alt. Knapp 29 Prozent hatten eine chronische Nierenerkrankung.

Hauptergebnisse

In SPRINT MIND wurde der primäre Endpunkt „Demenz“ nicht erreicht. Die relative Risikoreduktion betrug zwar 17 Prozent; das Ergebnis war aber statistisch nicht signifikant. Hier die Ergebnisse der Berechnungen: HR = 0,83, 95% CI: 0,67 bis 1,04, p=0,10.

Signifikante Resultate zu Gunsten der intensiven Blutdruck-Therapie wurden allein bei den sekundären Endpunkten MCI (mild cognitive impairment) und der Kombination von MCI plus Demenz beobachtet:

  • MCI: relative Risikoreduktion 19 Prozent (HR = 0,81, 95% CI: 0,70 bis 0,95, p=0,01) 
  • MCI plus Demenz: relative Risikoreduktion 15 Prozent (HR = 0,85, 95% CI: 0,74 bis  0,97, p=0,029)

Klinische Bedeutung​​​​​​​

Der primäre Endpunkt der Studie (Demenz) wurde nicht erfüllt, was aber nicht ausschließt, dass eine intensive Blutdruck-Therapie vor einer Demenz schützen kann. Möglicherweise ist das Ergebnis falsch-negativ. Allerdings beweisen die Ergebnisse auch nicht, dass eine solche antihypertensive Therapie eine Demenz verhindert. Und: Die bisher vorliegenden Daten sprechen zwar dafür, dass eine intensive Blutdruck-Therapie einer leichten kognitiven Beeinträchtigung vorbeugt. Dies bedeutet aber nicht, dass sie auch die Demenz-Entwicklung verhindern kann.

Da bislang aber die vollständigen Ergebnisse der SPRINT-Substudie noch nicht in einer Fachzeitschrift publiziert worden sind, können und sollten noch keine Schlussfolgerungen gezogen werden. Im klinischen Alltag gelten weiterhin die aktuellen Empfehlungen zur antihypertensiven Therapie; so halten die Autoren der europäische Leitlinie an der bisherigen Bluthochdruck-Definition (≥140/90 mmHg) fest, empfehlen aber, eine Senkung in den Normalbereich (

Finanzierung: National Institutes of Health