Affenpocken: WHO warnt vor weiteren Ausbreitung durch Großveranstaltungen

  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Die Aufhebung der Pandemie-Beschränkungen für internationale Reisen und Veranstaltungen haben zu einer raschen Übertragung der Affenpocken geführt. Die WHO warnt jetzt vor einer weiteren Ausbreitung durch Festivals und große Partys und stellt in einer Erklärung Maßnahmen zur Eindämmung vor.

Das Potenzial für eine weitere Übertragung in Europa und anderswo während des Sommers ist hoch“, heißt es in einer Erklärung des WHO-Regionaldirektors für Europa, Hans Henri Kluge. Die Affenpocken hätten sich bereits vor dem Hintergrund mehrerer Massenveranstaltungen in der Region verbreitet. In den kommenden Monaten sind Dutzende von Festivals und großen Partys geplant, bei denen es zu einer weiteren Ausbreitung kommen kann, so Kluge. Gleichzeitig böten Festivals und großen Veranstaltungen aber auch gute Möglichkeiten, junge und sexuell aktive Menschen anzusprechen, um das Bewusstsein zu schärfen und den Schutz des Einzelnen und der Gemeinschaft zu stärken.

Klare Kommunikation, Isolierung von Infizierten und Kontaktnachverfolgung

Die WHO formuliert in ihrer Erklärung weitere Maßnahmen, um die Ausbreitung der Affenpocken einzudämmen:

  • Ausstattung von Gesundheitseinrichtungen und öffentlichen Gesundheitsteams mit dem Wissen und den diagnostischen Fähigkeiten, Fälle schnell zu identifizieren, zu untersuchen und zu bestätigen;

  • Bereitstellung von Diagnostika und medizinischen Gegenmaßnahmen wie Impfstoffen und antiviralen Medikamenten für Betroffene und relevante Gruppen;

  • Sicherstellung, dass mit Affenpocken Infizierte darüber informiert werden, dass sie während der infektiösen Zeit ihrer Krankheit isoliert werden müssen und dass sie sexuelle und andere enge Kontakte mit anderen vermeiden. Infizierte sollen während ihrer Isolierung unterstützt werden;

  • rasches Aufspüren aller Kontaktpersonen der Erkrankten und Überwachung des Ausbleibens relevanter Erkrankungen über 21 Tage. Auch wenn eine Quarantäne der Kontaktpersonen nicht unbedingt erforderlich ist, sind zweimal tägliche Fieberkontrollen und Selbstkontrollen wesentlich.
     

Jetzt auch Hamburg und Brandenburg betroffen

In Deutschland sind inzwischen 44 Affenpocken-Fälle aus 8 Bundesländern (Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt) gemeldet worden. Das sind 11 mehr als am Vortag, teilte das RKI am Mittwoch mit. Weitere Fälle seien zu erwarten. Affenpocken sollten daher auch bei Personen ohne bekannte Reiseanamnese in Endemiegebiete (West- und Zentralafrika) mit unklaren pockenähnlichen Hauteffloreszenzen (in Abgrenzung von Windpocken etc.) oder Läsionen in die erweiterten differenzialdiagnostischen Überlegungen einbezogen werden.