Ärzte verordnen weniger Antibiotika bei Erkältung


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Rund jeder fünfte Patient, der 2018 wegen einer Erkältung krankgeschrieben war, bekam von seinem Arzt ein Antibiotikum verschrieben (22 Prozent). Vor zehn Jahren waren es noch rund 38 Prozent und damit mehr als jeder Dritte der erkältungsbedingt krankgeschriebenen Versicherten. Das geht aus den aktuellen Daten des Gesundheitsreports der Techniker Krankenkasse (TK) hervor. Damit setze sich laut TK der Trend fort, dass bei Erkältungskrankheiten immer weniger Antibiotika verschrieben werden.

Trend geht in die richtige Richtung“

Besonders stark ist der Verordnungsrückgang laut TK-Daten bei jenen Patienten, die nur kurz - zwischen ein und drei Tagen - krankgeschrieben waren. Erhielt dieses Patientenklientel 2018 nur in 16 Prozent der Fälle ein Antibiotikum, waren es 2008 mit 30,5 Prozent fast doppelt so viele. „Die Entwicklung geht in die richtige Richtung", sagt Dr. Jens Baas, Vorsitzender des Vorstands der TK. Es sei wichtig, dass Antibiotika nur dann verordnet werden, wenn sie wirklich notwendig sind und das Medikament auch gegen die Erkrankung hilft. Das gilt laut Baas insbesondere vor dem Hintergrund, dass immer weniger neue Antibiotika auf den Markt kommen und gleichzeitig mehr multiresistente Keime entstehen. Da die große Mehrheit der Erkältungsinfekte mit Symptomen wie Schnupfen oder Husten bekanntermaßen durch Viren hervorgerufen werden, sei die Gabe von Antibiotika in den meisten Fällen nicht zu rechtfertigen.

Umdenken in allen Fachrichtungen

Dass hier ein Umdenken stattfindet, zeigt auch die aktuelle Versorgungsatlas-Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI). Danach haben niedergelassene Ärzte in Deutschland im vergangenen Jahr weniger Antibiotika verschrieben als noch 2010. Seitdem ist die Zahl der Verordnungen um mehr als ein Fünftel gesunken. Dies gilt vor allem für die Kinder- und Jugendmedizin.