Ärzte stoßen an ihre Grenzen: Grippewelle schwappt über Deutschland


  • Susanne Kressenstein
  • Medizinische Nachrichten
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Der Praxisindex als Barometer für die regionale Aktivität der Influenza-Aktivität liegt derzeit in allen Bundesländern über 200, in der Mitte Deutschlands lag er in der letzten Woche bei 278, in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen bei über 300. Der Anteil der Patienten, die ihren Arzt wegen Atemwegsinfekten aufsuchen steigt und steigt. Die diesjährige Grippewelle bringt niedergelassene Kollegen und Krankenhäuser an ihre Grenzen.

Egal ob geimpft oder nicht, Ärzte sollten bei allen Patienten mit akuten Atemwegsinfekten auch an Grippe denken, empfiehlt die Arbeitsgemeinschaft Influenza des Robert Koch-Instituts. Bei älteren Patienten, solchen mit einer Grunderkrankung oder bei besonders schweren Verläufen sollte der Einsatz von Neuraminidase-Hemmern erwogen werden.

Jeder sechste Patient mit laborbestätigter Influenza muss derzeit stationär behandelt werden. Während die Gesamtzahl stationär behandelter Patienten mit akuten respiratorischen Infektionen bei Kleinkindern und Schulkindern mittlerweile wieder gesunken ist und in der Altersgruppe der jungen Erwachsenen stabil bleibt, steigt die Zahl der Infizierten in den älteren Altersgruppen (35 bis 59 Jahre sowie 60 Jahre und älter) derzeit stark an.

Von den Ländern, die Daten an das European Surveillance System senden, berichten sechs Länder von einer hohen Grippeaktivität. Neben Deutschland sind das Irland, Schweden, Finnland, Slowakei und Mazodenien. Sehr hoch ist die Aktivität aktuell in Albanien und Luxemburg. Wegen der europaweiten Grippewelle mahnt auch die EU-Kommission eine höhere Impfbereitschaft an. „Ich appelliere an alle Bürger in der Europäischen Union, sich selbst und ihre Kinder impfen zu lassen", so der zuständige EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis gegenüber der Zeitung „Die Welt“.

Impfen ist auch jetzt noch sinnvoll, wie das Robert Koch-Institut betont. Ein vollständiger Schutz tritt in der Regel nach zehn bis 14 Tagen ein. Allerdings sollte sichergestellt werden, dass sich Impfwillige nicht im Wartezimmer mit Influenza infizierten.