Ärzte fordern selten Ausfallhonorare für versäumte Termine


  • Presseagentur Gesundheit (pag)
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New York (pag) – Erscheinen Patienten nicht zum vereinbarten Termin in der Praxis, scheuen sich die meisten Ärzte, Strafzahlungen einzufordern. Das belegt eine Umfrage unter Medizinern des aktuellen Medscape Gehaltsreports 2018.

Die Autoren des Reports befragten Ärzte nicht nur zu ihrer finanziellen Lage, auch ihre Meinung zu Ausfallhonoraren war ein Thema. Nur zwölf Prozent der Befragten bestätigten, dass sie entsprechende Ausgleichszahlungen von ihren Patienten in der Regel einfordern. Fachärzte tun dies mit 16 Prozent etwas häufiger. Die Mehrheit der Ärzte lässt die Angelegenheit jedoch auf sich beruhen.

Auch wenn die Gesetzeslage nicht eindeutig ist und Gerichte oft unterschiedlich urteilen, hat sich den letzten Jahren gezeigt, dass die Rechtsprechung auf zwei Voraussetzungen achtet, die gegeben sein sollten: So können in der Regel etwaige Strafzahlungen erfolgreich geltend gemacht werden, wenn die klagende Partei eine Bestellpraxis ist und diese mit dem Patienten eine Vereinbarung geschlossen hat. Das Amtsgerichts Bielefeld argumentiert in dieser Weise und ordnete eine Strafzahlung in Höhe von 375 Euro an, die ein Patient einer Praxis als Ausfallhonorar zahlen musste (Az.: 411 C 3/17; Urteil vom 10. Februar 2017). Er eine Vereinbarung unterschrieben, nach der Termine 48 Stunden zuvor abgesagt werden müssen – in dem besagten Fall meldete sich der Patient aber erst am Tag des Termins, um diesen zu stornieren. Auch das Amtsgericht in Wetzlar (Urteil vom 9.12.2004, Az. 32 C 1826/03 (32), das OLG Stuttgart (Urteil vom 17.04.2007, Az. 1 U 154/06) und das Amtsgericht Diepholz (Urteil vom 26. 06.2011, Az. 2 C 92/11) sprachen Bestellpraxen Ausfallhonorare zu. In den Begründungen der Urteilssprüche heißt es, reine Bestellpraxen könnten solche Ausfälle nicht mit „Ersatzpatienten“ kompensieren. Anders sei dies bei Praxen, die keine reinen Terminpraxen seien: Sie könnten anstelle dessen andere Patienten und Notfälle behandeln und so den Ausfall überbrücken. Den jeweiligen Ausfall muss die betroffene Praxis laut den Gerichten jedoch mit Zeugenaussagen der Mitarbeiter und Dokumenten belegen, was Zeit kostet und Arbeitskraft bindet. Dies scheint offenbar ein wesentlicher Grund zu sein, warum Ärzte vor solchen Forderungen Abstand nehmen.