Ärger um Lauterbachs Äußerungen zu Sprechstundenzeiten

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Berlin (pag) – Der Streit um längere Sprechstunden, der mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) seinen Ausgang nahm, geht in die nächste Runde. Auf Protest der Ärzte stoßen die Äußerungen von SPD-Fraktionsvize Prof. Karl Lauterbach. Er unterstützt die Forderung der Kassen nach einer Ausweitung der Öffnungszeiten der Praxen an Abenden und Samstagen.

Der GKV-Spitzenverband hatte zuvor diese Erwartung an die Praxen formuliert. „Krankheiten richten sich nicht nach den Lieblingsöffnungszeiten der niedergelassenen Ärzte“, sagte Johann-Magnus Freiherr von Stackelberg, Vize-Chef des GKV-SV kürzlich. Er reagierte damit auf eine Forsa-Umfrage unter Vertragsärzten im Auftrag des Spitzenverbands. Sie hatte ergeben, dass ein Viertel der Befragten unter 25 Sprechstunden pro Woche bleibt. 

Lauterbach zufolge ist die Forderung nach mehr Sprechstunden „richtig und berechtigt“, da viele Praxen mittwochs und freitags schlössen. „Der ein oder andere Arzt wird ab Mittwochnachmittag auf dem Golfplatz gesehen“, stichelt er laut Medienberichten in Richtung Ärzteschaft. Lenkten die Ärzte nicht ein, müsse eine gesetzliche Regelung her. Er schlägt einen Bonus für längere und für die Bürger „brauchbare“ Sprechstunden in Randzeiten vor.

Der Politiker plädiert außerdem dafür, Medizinischen Versorgungszentren zu stärken. Fachärzte vor Ort könnten sich in der Versorgung abwechseln. Eine 6 bis 23 Uhr-Betreuung wäre so möglich, was „ein großer Fortschritt“ für die benachteiligten GKV-Versicherten wäre. Niedergelassene sollten weniger Termine für Langzeitpatienten anbieten und mehr tatsächlich Hilfsbedürftige behandeln. Ein Ende der Budgetierung lehnt er ab.

Dirk Heinrich, Chef des NAV-Virchowbunds, bezeichnet den Vorstoß Lauterbachs und von Stackelbergs als „absichtlich grobes Foul“. Mit Not- und Bereitschaftsdiensten würden Patienten selbst an Feiertagen versorgt. Während die Kassen auf Rücklagen in Milliardenhöhe säßen und den „Zechpreller“ spielten, weil sie mit der Budgetierung die vollständige Bezahlung ärztlicher ambulanter Leistungen verweigerten, wolle Lauterbach vom Scheitern der Bürgerversicherung ablenken. Niedergelassene arbeiteten bereits jetzt am Limit, längere Sprechstunden seien nicht ohne Weiteres realisierbar, meinen auch andere Ärztevertreter.