Ältere Sturzpatienten: Unfallchirurgen und Geriater fordern Unterstützung


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und der Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) haben gestern in Berlin das Weißbuch Alterstraumatologie vorgestellt. Kern der Behandlungsempfehlungen ist die Zusammenarbeit von Unfallchirurgen und Altersmedizinern in einem multiprofessionellen Team. Damit lässt sich die Sterblichkeit älterer Patienten nach einem Oberschenkelhalsbruch um mehr als 20 Prozent senken. Daher fordern beide Fachgesellschaften unter anderem die Übernahme ihrer Empfehlungen in die Regelversorgung. 

Hohe Mortalitätsraten

Der sturzbedingte Oberschenkelhalsbruch ist die mit Abstand am häufigsten im Krankenhaus behandelte Fraktur. Das Durchschnittsalter dieser Patienten liegt bei über 82 Jahren. Zehn Prozent der Patienten sterben innerhalb der ersten 30 Tage nach ihrem Sturz. Bis zu 20 Prozent verlieren ihre Selbstständigkeit und müssen im Folgejahr in eine Pflegeeinrichtung einziehen. Das Ergebnis der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Studie „Prävention, Therapie und Rehabilitation osteoporotischer Frakturen in benachteiligten Populationen“ (PROFinD)  zeigt nach Angaben der Fachgesellschaften das Verbesserungspotenzial für Deutschland: Arbeiten Unfallchirurgen, Altersmediziner, Physiotherapeuten sowie Sozial- und Pflegedienst in einem Team zusammen, sinkt die Sterblichkeit um mehr als 20 Prozent. Aufgrund international vorliegender Erfahrungen haben die DGU und die DGG mit ihren Zertifizierungsinitiativen bereits 2014 damit begonnen, die nun im Weißbuch Alterstraumatologie enthaltenen Empfehlungen umzusetzen.

Ziel: Erhalt von Selbständigkeit und Selbstbestimmung

„Nur durch eine strukturierte Versorgung können Patienten rasch operiert werden, gefährliche Medikamentenkombinationen vermieden und die Delir-Rate gesenkt werden. Unser Ziel ist, die Selbstständigkeit und damit die Selbstbestimmung unserer Patienten zu erhalten“, sagt Professor Dr. Ulrich Liener, Leiter der DGU-Arbeitsgemeinschaft Alterstraumatologie und Leiter der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie Marienhospital Stuttgart.

Aus den von Unfallchirurgen und Altersmedizinern gewonnenen Kenntnissen und den in die Zukunft gerichteten Vorleistungen ergeben sich vier Forderungen von DGU und DGG an den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) und die Leistungsträger:

  • Behandlung von Verletzungen bei alten Menschen durch ein multiprofessionelles Team sollte Regelversorgung sein
  • Förderung der Qualitätssicherung und Forschung durch nationales Fraktur-Register
  • Vermeiden von Knochenbrüchen durch Sekundärprävention
  • Verbesserung der Behandlungsergebnisse durch geriatrische Frührehabilitation.