ÄKWL: Impfcheck in Apotheken statt Modellprojekte

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Berlin (pag) – Das beschlossene Masernschutzgesetz erhitzt die Gemüter. Ärzte wehren sich gegen Grippeimpfungen in Apotheken und gegen Wiederholungsverordnungen. Dagegen kommt ein Passus, der durch einen Änderungsantrag möglich gemacht wurde, bei der Deutschen Aids-Hilfe gut an: Schnelltests auf HIV, Hepatitis C und Syphilis sind in Beratungsstellen künftig ohne ärztliche Aufsicht möglich.

 

„Auf diese Weise wird insbesondere die Arbeit der Beratungs- und Testeinrichtungen für besonders gefährdete Personengruppen erleichtert“, heißt es dazu im Änderungsantrag. Für die Aids-Hilfe ist das „ein sehr wichtiger Schritt, um frühe HIV-Diagnosen zu fördern und damit Aidserkrankungen zu verhindern“.

Ebenfalls durch einen Änderungsantrag sind die regionalen Modellprojekte für Grippe-Impfungen in Apotheken ins Gesetz gekommen. „Impfen stellt einen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit dar, ist eine invasive ärztliche Tätigkeit und nicht delegierbar“, kritisiert zum Beispiel Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL). Apotheken könnten stattdessen einen Impf-Status-Check durchführen und die Patienten bei Bedarf zum Impfen in die Hausarztpraxis weiterleiten. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen hat überdies ein Problem mit den Wiederholungsverordnungen. „Gerade die Versorgung von Versicherten mit schwerwiegenden chronischen Erkrankungen muss regelmäßig überwacht und gegebenenfalls angepasst werden“, heißt es in einer Resolution. „Rezepte zur wiederholten Abgabe können dazu führen, dass Versicherte die Risiken falsch einschätzten, ihren Arzt nicht erneut aufsuchen und damit nicht mehr adäquate, gegebenenfalls sogar die Sicherheit gefährdende Arzneimitteltherapien fortführten.“

Ein Arbeitskreis der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften beschäftigt sich mit der Impfnachweispflicht für Kinder. Diese seien allerdings nicht das Problem. „Die meisten Masernfälle treten inzwischen bei den nach 1970 Geborenen auf. Hier besteht ein deutlicher Nachholbedarf für die Masernimpfung“, sagt Dr. Jürgen Rissland vom Universitätsklinikum des Saarlandes.