Adjuvante Chemo/Strahlentherapie beim resektablen Pankreaskarzinom nach 1–2 Monaten optimal?

  • JAMA Network Open

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Nach Wissen der Autoren wurde hier erstmals über mehrere Institutionen hinweg nach dem optimalen Timing einer adjuvanten Therapie bei Patienten mit frühem, resektablen Pankreaskarzinom gefragt. Die Antwort lautet: 1–2 Monate nach der Operation. Dies widerspricht früheren Berichten, wonach eine längere Verzögerung das Überleben nicht beeinträchtigt.

Hintergrund

Gängige Praxis beim resektierbaren Pankreaskarzinom ist ein chirurgischer Eingriff, gefolgt von einer Chemotherapie mit oder ohne Strahlentherapie. Studien legten nahe, dass die adjuvante Therapie binnen 12 Wochen nach dem Eingriff erfolgen sollte, schreiben die Studienautoren. Allerdings gäbe es kein eindeutiges Zeitintervall, das mit einem besseren Überleben assoziiert wäre.

Design

Ziel dieser Kohortenstudie mit 7548 Patienten mit resektierbarem Pankreaskarzinom des Stadiums I oder II (medianes Alter 67 Jahre) war es, das ideale Timing für eine adjuvante Therapie zu ermitteln. Die Patienten waren in der (US) National Cancer Database zwischen 2004 und 2015 erfasst worden. 2095 hatten keine adjuvante Therapie erhalten, und 5453 zu verschiedenen Zeitpunkten nach der Operation eine Chemotherapie mit oder ohne Strahlentherapie bekommen.

Ergebnisse

  • Die Einteilung der Patienten erfolgte in frühen Therapiebeginn ( 59 Tage, n = 2136), wobei die intermediäre Gruppe (n = 3048) als Referenz diente. Die Nachverfolgungszeit betrug median 38,6 Monate.
  • Im Vergleich zur Referenzgruppe hatten sowohl die früh als auch die spät behandelten Patienten eine höhere Mortalität. Die Chancenverhältnisse HR betrugen 1,17 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 1,02–1,35 (P = 0,03) bzw. HR 1,09 bei einem 95%-KI von 1,02–1,17 (P = 0,008).
  • Ein ähnliches Ergebnis zeigte sich, als Patienten mit ähnlichen Eigenschaften paarweise verglichen wurden („Propensity matching“): So betrug das 2-Jahresüberleben in der Referenz-Kohorte 52,5 % gegenüber 45,1 % bei den früh behandelten Patienten bzw. 51,3 gegenüber 45,4 % im Vergleich mit den spät behandelten Patienten (P = 0,02 bzw 0,01).
  • Eine späte adjuvante Therapie war bei beiden Vergleichsmethoden besser, als eine alleinige chirurgische Versorgung: HR 0,75; 2-Jahres-Überleben 47,2 % versus 38,0 %.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse dieser Studie scheinen die gegenwärtige Praxis zu validieren, bei Eignung der Patienten die adjuvante Therapie 1–2 Monate nach der Operation zu beginnen. Diejenigen, die sich nur langsam von der Operation erholen, profitieren aber dennoch von einer späteren adjuvanten Therapie.

Finanzierung: Keine Angaben.