Adipositas-Chirurgie: Risiko für hormon-assoziierte Malignome erniedrigt


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Das Risiko für hormon-assoziierte Tumoren (Mamma, Endometrium und Prostata) ist nach Magen-Bypass, Magen-Band und Schlauchmagen erniedrigt. Nach Magen-Bypass ist allerdings das Risiko für ein kolorektales Karzinom erhöht. 

Hintergrund

Patienten mit Adipositas haben ein erhöhtes Risiko für Tumor-Erkrankungen, darunter zum Beispiel Mamma- und Endometrium-Karzinome sowie kolorektale Malignome und Speiseröhrenkrebs. Operative Eingriffe zur Gewichtsreduktion sind heute etablierte Verfahren, von denen belegt ist, dass sie metabolische und kardiovaskuläre Parameter verbessern und auch das Mortalitätsrisiko senken. Eine wichtige Frage ist, ob eine operativ bedingte Gewichtsreduktion auch das Risiko für maligne Erkrankungen reduziert. Die Studienergebnisse hierzu seien nicht eindeutig, so die Autoren der aktuellen Studie.

Design

Kohortenstudie mit Daten einer britischen Datenbank (Zeitraum 1997 bis 2012). Berechnet wurde das Malignom-Risiko von 8794 adipösen Patienten, bei denen ein bariatrischer Eingriff durchgeführt worden war, und das Risiko von 8794 nicht-operierten Adipösen. Bei den Eingriffen handelte es sich um  Magen-Bypass, Magen-Band und Schlauch-Magen.

Hauptergebnisse

  • Die Berechnungen ergaben für operierte Patienten ein um 77 Prozent geringeres Risiko für hormon-assoziierte Tumoren (Mamma-, Endometrium- und Prostata-Karzinom). 
  • Für Mamma-Karzinome ergab sich eine Risikoreduktion von 75 Prozent, für Karzinome des Endometriums von 79 Prozent und für Prostatakrebs eine Reduktion um 63 Prozent.
  • Magen-Bypass-Operationen gehen den Berechnungen zufolge mit der größten  Risikoreduktion einher (84 Prozent). Beim Schlauchmagen ergab sich eine Risikoreduktion um 79 Prozent, beim Magenband eine Reduktion um 66 Prozent.
  • Im Gegensatz zu den anderen Operations-Verfahren war der Magen-Bypass allerdings mit der größten Rate an kolorektalen Karzinomen assoziiert. Die statistische Auswertung ergab eine Risikozunahme von 163 Prozent.

Klinische Bedeutung

Die Studie bestätigt frühere Studien, so etwa eine Metaanalyse von 2104. Die Aussagekraft der aktuellen Kohortenstudie mit retrospektiver Auswertung von Daten ist jedoch, wie die Autoren selbst betonen, etwas eingeschränkt. So konnte zum Beispiel mangels Daten keine Korrelation zwischen BMI-Änderung und Tumor-Rate berechnet werden. Recht deutlich sei allerdings der Unterschied zwischen der Risikoreduktion bei den hormon-assoziierten Tumoren einerseits und der Risikozunahme bei kolorektalen Malignomen andererseits. Nicht zu berechnen war aufgrund der geringen Inzidenz das Risiko für Ösophagus-Karzinome. Die genauen Mechanismen der Risikoreduktion sind noch nicht ausreichend bekannt. Diskutiert wird zum Beispiel über einen Tumor-Schutz durch ein postoperativ verändertes Mikrobiom.

Insgesamt stärken die Ergebnisse dieser Studie den Stellenwert bariatrischer Eingriffe bei Adipositas. Sie zeigen indirekt aber auch, dass die medizinische Versorgung der Patienten nicht mit der Operation endet. Das erhöhte Risiko für kolorektale Karzinome nach Magen-Bypass spricht dafür, nach einer solchen Operation verstärkt auf solche Malignome zu achten.

Finanzierung: National Institute of Health Research und Karolinska Universität