Abstammungsbedingte genetische Unterschiede haben vermutlich keine Auswirkungen auf die Wirksamkeit von Prostatakrebs-Therapien

  • Koga Y & al.
  • Clin Cancer Res
  • 10.07.2020

  • Studien – kurz & knapp
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Betrachtet man Prostatakarzinome von afroamerikanischen Männern und europäisch-amerikanischen Männern finden sich genetische Unterschiede. Doch keiner dieser Unterschiede ist laut einer in Clinical Cancer Research veröffentlichten Studie für die bis dato verfügbaren genetisch zielgerichteten Behandlungen klinisch signifikant.

„In den klinisch relevanten DNA-Reparaturgenen, beim MSI-hoch-Status (hohe Mikrosatelliteninstabilität) und der Tumormutationslast wurden keine signifikanten Unterschiede festgestellt, was darauf hindeutet, dass die aktuellen therapeutischen Strategien in beiden Populationen gleichermaßen nutzbringend sein können“, schrieben der Studienautor Yusuke Koga von der Boston University und seine Kollegen.

„Da diese Ergebnisse darauf hindeuten, dass die Häufigkeit genetischer Veränderungen, die Therapieziele sein können, bei Patienten mit überwiegend afrikanischer versus europäischer Abstammung ähnlich ist, ist das Angebot umfassender genomischer und Biomarker-basierter Therapien für alle Patienten, einschließlich afroamerikanischer Patienten, eine entscheidende Komponente in Bezug auf die Gleichstellungsförderung bei der Behandlung des metastatischen Prostatakarzinoms“, sagte Dr. med. Atish D. Choudhury, Ph.D. vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston, der nicht an dieser Studie beteiligt war.

Koga und seine Kollegen stellten fest, dass afroamerikanische Männer im Vergleich mit europäisch-amerikanischen Männern eine höhere Inzidenz von Prostatakrebs aufweisen, in einem jüngeren Alter mit fortgeschrittener Erkrankung vorstellig werden und eine erhöhte Mortalität aufweisen. Diese Unterschiede bleiben sogar nach Bereinigung um sozioökonomische Kovarianten bestehen. Dies wirft die Frage auf, welche Rolle die Genetik spielt.

„Es kommen neue Evidenzen auf, dass über einige klinischen Studien und Gesundheitssysteme mit gleichberechtigtem Zugang hinweg die Ergebnisse zwischen afroamerikanischen Männern und europäisch-amerikanischen Männern mit Prostatakrebs ähnlich sind“, schrieben die Prüfärzte. „Obwohl diese Daten darauf hinweisen, dass Unterschiede angeglichen werden können, gibt es nur begrenzte Kenntnisse über die genomischen Veränderungen, die sich zwischen den Gruppen unterscheiden und sich auf klinische Ergebnisse auswirken könnten.“

Studiendetails und Ergebnisse

Zur weiteren Abklärung führten die Prüfärzte eine Metaanalyse mit Tumoren von 250 afroamerikanischen Männern und 611 europäisch-amerikanischen Männern durch und verglichen die Häufigkeit somatischer Veränderungen in Datensätzen des Cancer Genome Atlas, der Prostatakrebs-Kohorte afrikanischer Abstammung und des Memorial Sloan Kettering-Integrated Mutation Profiling of Actionable Cancer Targets Panel.

Das Team verglich auch die Sequenzierungsdaten von Prostatakarzinomen von 436 afroamerikanischen Männern und 3.018 europäisch-amerikanischen Männern, die auf einer kommerziellen Plattform, dem Foundation Medicine Assay, verfügbar waren.

In der Metaanalyse kamen Mutationen in ZFHX3 und fokale Deletionen in ETV3 in Tumoren von afroamerikanischen Männern häufiger vor als in Tumoren von europäisch-amerikanischen Männern. Beide Gene sind mutmaßliche Tumorsuppressoren bei Prostatakarzinom, merkten die Prüfärzte an.

TP53-Mutationen zeigten hingegen in beiden Gruppen Assoziationen mit steigenden Gleason-Scores, was darauf hindeutet, „dass, wenn TP53-Mutationen bei einer niedrig-gradigeren Erkrankung entdeckt werden, diese möglicherweise eine aggressivere klinische Progression indizieren“, schrieben die Prüfärzte.

In der Analyse mit dem kommerziellen Assay waren MYC-Amplifikationen häufiger bei afroamerikanischen Männern mit metastatischer Erkrankung, was „die Möglichkeit aufwirft, dass MYC-Amplifikationen in dieser Population auch zu einer Hochrisiko-Erkrankung beitragen können“, schrieb das Team.

Deletionen in PTEN und Rearrangements in TMPRSS2-ERG traten in Tumoren von afroamerikanischen Männern weniger häufig auf, KMT2D-Verkürzungen und CCND1-Amplifikationen lagen jedoch häufiger vor.

„Eine höhere Expression von CCND1 wurde bei Prostatakrebs mit einer perineuralen Invasion, einem aggressiven histologischen Merkmal von Prostatakrebs, in Zusammenhang gebracht. Verkürzende Mutationen in KMT2D wurden sowohl bei Patienten mit lokalisiertem als auch metastasierendem Prostatakrebs mit unklarer klinischer Signifikanz berichtet“, merkten die Prüfärzte an.

„Die genomischen Unterschiede, die in Genen wie MYC, ZFHX3, PTEN und TMPRSS2-ERG beobachtet wurden, deuten darauf hin, dass bei afroamerikanischen Männern andere Signalwege der Karzinogenese aktiv sein können, was zu weiteren Unterschieden führen könnte, wenn gezielte Therapien für einige dieser Veränderungen verfügbar werden“, schrieb das Team.

Sie merkten an, dass die Metaanalyse durch die Tatsache eingeschränkt war, dass einige Kohorten bei den europäisch-amerikanischen Männern keine übereinstimmenden Tumoren aufwiesen, wodurch die Fähigkeit der Prüfärzte eingeschränkt war, auf Unterschiede nach Region, klinischer Situation oder Sequenzierungsassay zu kontrollieren. Darüber hinaus waren Alter, Tumorstadium und Gleason-Grad in der Kohorte, die mit dem kommerziellen Assay analysiert wurde, nicht verfügbar.

Diese Forschungsarbeit wurde vom US-Verteidigungsministerium, dem National Cancer Institute und der Prostate Cancer Foundation finanziert. Zwei Autoren sind Mitarbeiter von Foundation Medicine.

Der Artikel wurde ursprünglich auf MDedge.com veröffentlicht.