Ablation bei Vorhofflimmern: US-Daten zeigen überraschend hohe Früh-Mortalität

  • Journal of the American College of Cardiology

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften 

Die Katheter-Ablation wegen Vorhofflimmern ist riskanter als angenommen: REAL-World-Daten aus den USA zeigen eine deutlich höhere Früh-Mortalität als Daten klinischer Studien. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Menge der Ablationen, die in einem Krankenhaus vorgenommen werden.

Hintergrund

In klinischen Studien hat sich die Katheter-Ablation bei Vorhofflimmern als effektiv und auch sicher erwiesen. Daten aus den klinischen Studien lassen sich allerdings nicht 1zu 1 auf die Versorgungsrealität übertragen. US-Kardiologen haben daher US-amerikanische Real-World-Daten ausgewertet.

Design

Ausgewertet wurden Abrechnungsdaten aus den Jahren 2010 bis 2015 zu rund 60.000 Klinik-Aufenthalten von Patienten, bei denen wegen Vorhofflimmern eine Ablation vorgenommen worden war. Primäre Zielgröße war die frühe Mortalitätsrate (Tod während der initialen Hospitalisierung oder eines erneuten Aufenthaltes innerhalb von 30 Tagen).

Hauptergebnisse

  • Die frühe Mortalitätsrate betrug 0,46 Prozent (Zeitpunkt der Todesfälle im Median 11,6 Tage nach der Ablation). Von diesen Todesfällen waren 54,3% während der erneuten Hospitalisierung und 45,7% während der Index-Hospitalisierung eingetreten.
  • Das Risiko eines frühen Todes war in Krankenhäusern mit dem niedrigsten AF-Ablationsvolumen (weniger als 15 Eingriffe jährlich) etwa 2,3-mal höher als in Krankenhäusern mit dem höchsten Volumen (über 35 Ablationen pro Jahr).
  • Knapp sieben Prozent der Eingriffe waren mit Komplikationen verbunden. Die adjustierte Odds Ratio für die frühe Mortalität im Zusammenhang mit Komplikationen betrug signifikante 4,06; für kardiale Perforationen 2,98 und 12,8 für alle anderen Komplikationen.
  • Frühe Mortalitäts- und Komplikationsraten nahmen während des gesamten Untersuchungszeitraums langsam zu; so stieg die Gesamtrate der prozeduralen Komplikationen während dieser Zeit von 4,8% auf 7,4%, die frühe Mortalitätsrate von 0,25% auf 1,35%. 
  • signifikante Prädiktoren für die 30-Tage-Sterblichkeit nach der Entlassung im Krankenhaus waren
  1. Herzinsuffizienz (OR 2,20; p=0,01) 
  2. geringes Fallvolumen (OR 2,35; p=0,003)
  3. prozedurale Komplikationen (OR 4,06; p

Klinische Bedeutung

Die Studie sei eine „sehr wichtige Studie, die allen Elektrophysiologen, die eine AF-Ablation durchführen, allen Kardiologen, die Patienten für dieses Verfahren überweisen, und allen Patienten, die eine AF-Ablation in Betracht ziehen, als Weckruf dienen sollte" schreibt Dr. Hugh Calkins (Johns Hopkins Hospital in Baltimore) in einem begleitenden Editorial. „Es ist klar, dass die AF-Ablation kein harmloses Verfahren ist und die Sterblichkeit eine sehr reale Komplikation des Verfahrens darstellt“,so Calkins weiter. Und: Es bestehe kein Zweifel daran, dass die besten Ergebnisse in Krankenhäusern mit einem großen Volumen erzielt würden. Obgleich die Ergebnisse nicht 1 zu 1 auf Deutschland übertragen werden kann, sind sie auch hierzulande relevant. Denn auch in Deutschland werden die Katheter-eingriffe in Kliniken mit hohem, aber auch geringem Ablations-Volumen vorgenommen. Die deutsche Gesellschaft für Kardiologie plädiert daher dafür, die Eingriffe auf Kliniken mit mindestens 75 Ablationen pro Jahr zu beschränken.

Finanzierung: Michael Wolk Heart Foundation, New York Cardiac Center, Inc., New York Weill Cornell Medical Center Alumni Council