AACR 2019—Stuhltransplantation ergibt Nutzen bei refraktärem Melanom


  • Keren Landman, MD
  • Univadis
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Erkenntnis

  • Bei zwei von drei Patienten mit einem metastatischen Melanom, bei denen eine Behandlung gegen den PD-1-Rezeptor (programmed cell death protein 1) fehlgeschlagen war, ergaben sich durch eine fäkale Mikrobiota-Transplantation (FMT) zusammen mit einer erneuten Anti-PD-1-Behandlung klinische und radiologische Verbesserungen.

Warum das wichtig ist

  • Bei den meisten Patienten mit einem metastatischen Melanom, die mit einem PD-1-Blocker behandelt werden, wird kein dauerhaftes Ansprechen erreicht.
  • Die Mikrobiota im Darm beeinflussen das Immunsystem des Wirts, und in Mäusemodellen steigert FMT die Wirksamkeit von Anti-PD-1-Behandlungen.

Studiendesign

  • Untersucht wurden drei Patienten mit einem metastatischen Melanom, bei denen mindestens eine Anti-PD-1-Behandlungslinie fehlgeschlagen war. Jeder erhielt eine FMT von einem von zwei Stuhlspendern. 
    • Die Spender waren zwei Patienten mit einem metastatischen Melanom, bei denen ein dauerhaftes vollständiges Ansprechen auf eine Anti-PD-1-Behandlung erreicht wurde.
  • Bei den Empfängern wurde die FMT sowohl mittels Koloskopie als auch mittels oraler Aufnahme von Stuhlkapseln vorgenommen, worauf Zyklen mit einer erneuten Anti-PD-1-Behandlung und einer weiteren FMT als Erhaltungstherapie folgten.
  • Die Ergebnisse wurden anhand von Stuhlproben vor und nach der Behandlung, Gewebebiopsien (Darm und Tumor) und Gesamtkörperbildgebung gemessen.
  • Finanzierung: Nicht offengelegt.

Wesentliche Ergebnisse

  • Eine 16S-rDNA-Gensequenzanalyse des Stuhls nach der FMT ergab Unterschiede in der Zusammensetzung zwischen den beiden Empfänger-Spender-Gruppen, was auf eine korrekte Transplantation hinweist.
  • Biopsien mit immunhistochemischer Färbung ergaben eine erhöhte Infiltration von CD68+-Zellen in Darm und Tumor nach der FMT sowie eine erhöhte intratumorale Infiltration von CD8+-T-Zellen. 
  • Bei zwei von drei Patienten ergab sich zum Zeitpunkt der Nachbeobachtung nach vier Monaten ein dauerhafter klinischer und radiologischer Nutzen durch die Behandlung.

Einschränkungen

  • Kleine Stichprobe mit mehreren Interventionen und ohne Kontrollarm.

Expertenkommentar

  • „Es handelt sich hier um eine sehr schwierige Patientengruppe“, sagte Dr. Jennifer Wargo, eine medizinische Wissenschaftlerin am MD Anderson Cancer Center in Houston (TX, USA), die sich auf Melanome mit Metastasen und die Erforschung des Mikrobioms spezialisiert hat. Es sei bemerkenswert, dass die Prüfärzte nicht nur eine Annahme des Spendermikrobioms in den untersuchten Patienten, sondern auch Veränderungen in der Immunmikroumgebung der Tumoren selbst nachweisen konnten. Auch wenn die Stichprobe sehr klein sei, hält sie die Ergebnisse für vielversprechend: „Jedes Ansprechen bei diesen Patienten ist ein gewaltiges Zeichen.“