3D-Videospiel trainiert das Gehirn älterer Menschen


  • Susanne Kressenstein
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft: Das 3D-Videospiel Super Mario 64 führte bei älteren Menschen zu einer Zunahme der grauen Hirnsubstanz im Hippocampus. Das Kurzzeitgedächtnis verbesserte sich.

Hauptergebnisse: Bei älteren Menschen, die ein 3D-Computerspiel auf einer Konsole spielten, verbesserte sich nicht nur die Hirnstrukturen im Hippocampus, sondern auch der Bereich im Gehirn, der für Gleichgewicht und Bewegungen zuständig ist. Den gleichen Effekt beobachtete man bei gleichaltrigen Menschen, die mithilfe eines computerunterstützen Programms Klavierunterricht bekamen. Zudem verbesserte sich bei den Teilnehmern dieser beiden Gruppen das Kurzzeitgedächtnis. Bei den Teilnehmern der Kontrollgruppe hingegen nahm die graue Substanz in allen untersuchten Gehirnarealen ab und das Kurzzeitgedächtnis verbesserte sich nicht.

Design: Die 33 Teilnehmer dieser Studie waren zwischen 55 und 75 Jahre alt. Sie wurden in drei Gruppen eingeteilt: Teilnehmer der Gruppe 1 spielten sechs Monate lang das Videospiel Super Mario 64. Dieses Spiel ist bekannt für seine gute Spielbarkeit. Hier muss der Held durch Springen und Laufen virtuelle Sterne sammeln. Die Beobachtungsperspektive ist dabei frei dreh- und zoombar. Alle Personen hatten noch nie zuvor ein 3D-Computerspiel getestet und sollten an fünf Tagen in der Woche eine halbe Stunde an der Konsole spielen.

Teilnehmer der Gruppe 2 bekamen im selben Zeitraum an fünf Tagen der Woche computerunterstützten Klavierunterricht. Auch diese Personen waren Klavieranfänger. Teilnehmer der Gruppe 3 bekam keine Anweisungen. Alle Teilnehmer absolvierten Gedächtnistests. Zudem wurde die Masse an grauer Gehirnsubstanz gemessen.

Klinische Bedeutung: Vor einigen Jahren wurde die „Taxi-Fahrer-Studie“ veröffentlicht. Sie belegte, dass Taxifahrer aus London ihren Hippocampus trainieren, indem sie sich innere Karten der Stadt anlegen, um sich auf die Taxifahrerprüfung vorzubereiten. Neue Dinge zu lernen, scheint offensichtlich unser Gehirn zu trainieren. Dies funktioniert auch mit 3D-Computerspielen wie die aktuelle Studie zeigt. Besonders ermutigend ist, dass sich offensichtlich Abbauprozesse rückgängig machen lassen, wenn das Gehirn neue unbekannte Aufgaben bekommt.

Der Hippocampus ist die Region im Gehirn, in der neue Information gespeichert und zu einer inneren Karte zusammengefügt wird. Ein Verlust der Strukturen im Hippocampus wird für die Entstehung von Demenz mitverantwortlich gemacht. Die Autoren der Studie schlagen vor, für ältere und mit Videospielen Ungeübte spezielle einfache Spiele zu entwickeln. Einigen Teilnehmern machte nämlich Super Mario 64 keinen Spaß und sie brachen die Studie vorzeitig ab.