345 Frauen brachten seit 2014 ihr Kind vertraulich zur Welt


  • Susanne Kressenstein
  • Medizinische Nachrichten
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Im Mai 2014 trat das Gesetz zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt in Kraft. Ziel des Gesetzes ist es, Frauen, die ihre Schwangerschaft aus einer Notsituation heraus verheimlichen, auch im Interesse ihrer Kinder den Weg ins reguläre Hilfesystem zu ebnen. Frauen in Not wird damit geholfen, Ihr Kind unter medizinischen Bedingungen zur Welt bringen zu können, anstatt es in einer Babyklappe abzulegen.

Die vertraulichen Geburten verteilen sich mit durchschnittlich 8,6 Fällen pro Monat relativ gleichmäßig über den gesamten Zeitraum. Deutlich sind regionale Unterschiede. Am meisten Kinder wurden anonym in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Schleswig-Holstein zur Welt gebracht, am wenigsten in Sachsen-Anhalt, Saarland und Bayern. Die Mutter darf ihre Anonymität allerdings nur unter bestimmten Gründen aufrecherhalten. Vorraussetzungen sind „Gefahr für Leben, Gesundheit, persönliche Freiheit oder ähnliche schutzwürdige Belange“.

Der Name der Mutter wird aber in einer Beratungsstelle registriert. Die Kinder erhalten dann einen Vormund des Jugendamtes und haben mit 16 Jahren das Recht den Namen der leiblichen Mutter zu erfahren. Damit stärkt die vertrauliche Geburt im Vergleich zur Babyklappe und anonymen Geburt auch die Rechte der Kinder. Bis zum Start des Adoptionsverfahrens kann sich die Mutter noch umentscheiden, danach ist ihr das Recht verweigert, das Kind zu kontaktieren.

Frauen, die das regionale Beratungsangebot zu vertraulichen Geburt in Anspruch nehmen, befinden sich in schwerer persönlicher Not, haben Gewalt erfahren oder Angst vor Gewalt, heißt es in einer Kabinettsvorlage von Familienministerin Katarina Barley (SPD). 26 Prozent der Frauen hätten sich nach einer Beratung für ein Leben mit Kind entschieden, 15 Prozent für eine reguläre Adoptionsfreigabe, nur 19 Prozent für eine vertrauliche Geburt. Etwa 40 Prozent der Frauen haben ihre Kinder nach der Beratung abgetrieben.