3-Jahresüberleben beim Darmkrebs korreliert mit nationalen Resektionsraten


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Auswertung der Krebsregister von 4 Ländern zeigt, dass die Selektion für eine Operation unterschiedlich gehandhabt wird. Damit verbunden ist offenbar ein Überlebensnachteil insbesondere für ältere Patienten in England und Dänemark gegenüber Norwegen und Schweden.

Hintergrund

Die Überlebensraten von Darmkrebspatienten unterscheiden sich nicht nur weltweit, sondern auch zwischen benachbarten Ländern mit hohem Einkommen wie Dänemark und England einerseits sowie Norwegen und Schweden andererseits. Die Autoren haben sich gefragt, ob die Unterschiede zumindest teilweise dadurch zu erklären sind, dass unterschiedliche Anteile der Patienten in den genannten Ländern chirurgisch behandelt werden.

Design

Populationsbasierte Studie anhand der nationalen Register mit den Daten aller 139.457 Patienten zwischen 18 und 99 Jahren, die in Dänemark (n=12.958), England (n=97.466), Norwegen (n=11.450) und Schweden (n=17.583) zwischen 1. Januar 2010 und 31. Dezember 2012 mit primären, invasiven kolorektalen Adenokarzinomen diagnostiziert wurden. Mit statistischen Methoden wurde die altersstandardisierte Überlebensrate geschätzt und der Anteil der Patienten nach Tumorstadium und Alter verglichen, die chirurgisch behandelt wurden. Schließlich sagte man mittels Regressionsanalysen vorher, wie hoch der Anteil der Patienten jeweils gewesen wäre, hätte man sie ebenso behandelt wie in den Ländern mit den besten Überlebensdaten.

Hauptergebnisse

  • Die 3-Jahresüberlebensrate für Darmkrebs war in England am niedrigsten (63,9 %), gefolgt von Dänemark (65,7 %), Norwegen (69,5 %) und Schweden (72,1 %). Für rektale Karzinome war die Reihenfolge ähnlich; die Überlebensraten betrugen in England 69,7 %, in Dänemark 72,5 %, in Schweden 74,1 % und in Norwegen 75,0 %.
  • Für das Stadium 1 gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Ländern; für die Stadien 2,3 und 4 aller kolorektalen Karzinome waren die Überlebensraten in England konsistent niedriger als in Norwegen und Schweden, und für rektale Karzinome des Stadium 2 sowie Darmtumoren des Stadium 4 in England auch niedriger als in Dänemark.
  • Der Gesamtanteil operierter Patienten war in England mit 68,4 % am niedrigsten und in Schweden mit 81,3 % am höchsten. Bei rektalen Karzinomen betrugen diese Anteile 59,9 % gegenüber 70,8 %.
  • Die Differenz im Anteil der chirurgischen Prozeduren war für Patienten über 75 Jahren am höchsten, und der Gradient, der den abnehmenden Anteil der Eingriffe mit dem Alter beschreibt, hatte in England das stärkste Gefälle.

Klinische Bedeutung

Die Zahlen scheinen die Ausgangshypothese der Autoren zu bestätigen: Je geringer der Anteil an Patienten mit kolorektalen Karzinomen, die eine chirurgische Resektion erhalten, umso geringer war auch die 3-Jahresüberlebensrate. Zwar gibt es in den untersuchten Ländern sicherlich viele Faktoren, die die Vergleichbarkeit einschränken. Dennoch liegt die Vermutung nahe, dass unterschiedliche Selektionskritierien für die Operation insbesondere für ältere Patienten mit kolorektalen Karzinomen in England und Dänemark die Lebenserwartung gegenüber ihren Nachbarn verkürzen.

Finanzierung: Cancer Research UK.