3.500 neue Sitze – doch wo bleiben die Ärzte?

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Berlin (pag) – Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) macht den Weg für rund 3500 neue Arztsitze frei. Dafür hat das Gremium eine neue Bedarfsplanungs-Richtlinie beschlossen. Mit der Entscheidung zeigen sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), der GKV-Spitzenverband (GKV-SV) und die G-BA-Patientenvertretung zufrieden.

Der Beschluss kann nach Nichtbeanstandung des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) am 30. Juni in Kraft treten. Dann stünden 3.470 neue Niederlassungsmöglichkeiten zur Verfügung. Die meisten Sitze würden mit 1.446 an Hausärzte gehen, es folgen Psychotherapeuten (776,5), Nervenärzte (476), Kinderärzte (401) und Augenärzte (131,5). Rechnet man die derzeit offenen Sitze hinzu, könnten 6.906 Niederlassungen erfolgen, wie Prof. Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des G-BA, vor Journalisten mitteilt.

Neu ist in der Fachgruppe der Internisten eine Mindestquote für Rheumatologen von acht Prozent (die nach fünf Jahren auf zehn Prozent erhöht werden kann) und eine Maximalquote von 33 Prozent bei Kardiologen sowie bei Nephrologen (25), Gastroenterologen (19) und Pneumologen (18). Weiterhin könnte auf Landesebene je nach Bedarf von der Richtlinie abgewichen werden, lässt Hecken wissen. Außerdem werde den Landesbehörden die Möglichkeit eingeräumt, Zulassungssperren in ländlichen oder strukturschwachen Regionen aufzuheben. Damit werde der G-BA einer Vorgabe des Terminservice- und Versorgungsgesetzes gerecht.

Doch neue Niederlassungsmöglichkeiten bedeuten noch keinesfalls neue Arztsitze. Diese müssen schließlich auch besetzt werden. „Planung schafft keine Köpfe“, sagt der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister.

Kritik an der Richtlinie kommt von der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK). Der G-BA bleibe hinter den Erwartungen zurück, daran seien die Kassen schuld, meint BPtK-Präsident Dr. Dietrich Munz. Den Vorwurf weist Hecken vehement zurück. Der GKV-SV hätte nicht die Federführung beim Beschluss gehabt. Es sei eine gemeinsame Entscheidung des G-BA gewesen.