20 Jahre nach einer Knochenmarkstransplantation sind vier Fünftel aller Kinder noch am Leben


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Fast 80 % aller Kinder, die eine Knochenmarkstransplantation erhalten haben, sind 20 Jahre später noch am Leben. Die kumulative Inzidenz sank jeweils beim Vergleich der Zeiträume vor 1990, 1990 – 1999, und 2000 bis 2010. Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ist das Risiko aber auch nach 25 Jahren noch um den Faktor 2,9 erhöht.

Hintergrund

Die Transplantation allogener Stammzellen des Blutes oder Knochenmarks (BMT) bietet bei mehreren malignen Erkrankungen im Kindesalter die Aussicht auf Heilung und ist oftmals die einzige Option. Allerdings ist diese Maßnahme sehr belastend und mit einer im Vergleich zu anderen Therapien hohen Mortalität verbunden. Darüber, wie sich die Langzeit-Mortalität auf diesem Gebiet in den letzten 3 Jahrzehnten entwickelt hat, war laut den Autoren dieser Arbeit bisher wenig bekannt.

Design

Retrospektive Kohortenstudie von 1388 Individuen, die im Zeitraum von 1974 bis einschließlich 2010 im Alter zwischen 0 und 21 Jahren (median 14,6) an der City of Hope-Klinik oder der Universität von Minnesota (Birmingham, USA) eine BMT erhalten, und diese um mindestens 2 Jahre überlebt hatten. Erfasst wurde die Gesamtmortalität, diese zudem aufgeschlüsselt danach, ob sie mit einem Rückfall zusammenhing oder nicht.

Hauptergebnisse

  • 20 Jahre nach der BMT wurden in dieser Kohorte 295 Todesfälle registriert, was einem Gesamtüberleben von 79,3 % entspricht.
  • Die häufigsten Todesursachen waren Infektion und Graft-versus-Host-Disease (49,6 %), die Grunderkrankung (24,6 %) und nachfolgende maligne Neoplasmen (18,4 %).
  • Das Sterberisiko war gegenüber der Allgemeinbevölkerung um das 14,4-fache erhöht, und die relative Mortalität blieb auch 25 Jahre nach der BMT noch um einen Faktor 2,9 erhöht.
  • Die kumulative Inzidenz der Spätsterblichkeit nahm im Untersuchungszeitraum deutlich und auch nach Adjustierung der Daten ab. Sie betrug für den Zeitraum vor 1990 18,9 %, zwischen 1990 und 1990 12,8 %, und zwischen 2000 und 2010 10,9 %. Nimmt man als Vergleichsbasis die frühe Periode, so entspricht das für den mittleren Zeitraum einem Chancenverhältnis HR von 0,64, und die Transplantation ab 2000 einem HR von 0,49.

Klinische Bedeutung

Die gute Nachricht lautet, dass die späte Mortalität nach Knochenmarkstransplantationen bei Kindern sich in den vergangen.3 Jahrzehnten halbiert hat. Der Trend hat sich möglicherweise abgeschwächt, hielt aber auch für den jüngsten Beobachtungszeitraum an. Leider bleibt die relative Mortalität auf 25 Jahre nach dem Eingriff deutlich erhöht, anhaltende Aufmerksamkeit ist also angebracht.

Finanzierung: National Cancer Institute, Leukemia Lymphoma Society, Swedish Childhood Cancer Foundation.