13 Prozent der Schülerinnen und Schüler haben mit Mobbing zu tun


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Die meisten Schülerinnen und Schüler mobben weder andere, noch werden sie selbst gemobbt. Das geht aus den Daten der deutschen „Health Behaviour in School-Aged Children (HBSC)“-Studie 2017/18 hervor, die jüngst im Journal of Health Monitoring des Robert Koch-Instituts (RKI) erschienen ist. Dabei berichten die Kinder und Jugendlichen häufiger von der Erfahrung gemobbt zu werden, als eigene Mobbingaktivitäten durchzuführen.

Bislang nur wenige Daten zur Häufigkeit von Mobbing

Mobbing ist eine spezifische Form der Gewalt, die mit vielfältigen und langfristigen negativen gesundheitlichen Auswirkungen einhergehen kann. Obwohl eine starke mediale Fokussierung insbesondere auf Cybermobbing zu beobachten sei, liegen nur wenige repräsentative Befunde zur Häufigkeit von verschiedenen Mobbingaktivitäten in Deutschland vor, heißt es im RKI-Bericht „Mobbing und Cybermobbing bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Querschnittergebnisse der HBSC-Studie 2017/18 und Trends“.

Wissenschaftler um Saskia Fischer von der TU Cottbus-Senftenberg untersuchten, wie verbreitet Mobbing und Cybermobbing an Schulen in Deutschland im Jahr 2018 waren, welche Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen, verschiedenen Altersgruppen und Schulformen vorlagen und wie sich die Verbreitung von Mobbing von 2002 bis 2018 entwickelt hat. Dazu wurden Daten der HBSC-Studie 2017/18 sowie der vorangegangenen Erhebungswellen analysiert.

Jungen mobben häufiger als Mädchen

Der Analyse zufolge gaben Jungen häufiger als Mädchen an, Mobbing ausgeübt zu haben, berichteten aber genauso häufig davon, selbst gemobbt worden zu sein. 15-Jährige berichteten häufiger als 11- und 13-Jährige, andere gemobbt zu haben und seltener, selbst gemobbt worden zu sein. Auch das Bildungsniveau scheint eine Rolle zu spielen: So berichteten Schülerinnen und Schüler an Gymnasien am seltensten, in Mobbing involviert gewesen zu sein. Nur wenige Kinder und Jugendliche berichteten nach Angaben der Wissenschaftler von Cybermobbing. Die gute Nachricht: im Vergleich zu allen vorherigen Erhebungsjahren berichteten 2018 die wenigsten Heranwachsenden davon, andere zu mobben. Die schlechte Nachricht: die Häufigkeit der berichteten Erfahrung, gemobbt zu werden, hatte sich dagegen kaum verändert, so der RKI-Bericht.

Trotz rückläufiger Zahlen ist Mobbing weiterhin ein Problem unter Schülern

„Insgesamt unterstreichen die abnehmenden, beziehungweise auf relativ geringem Niveau stabilen Mobbing-Häufigkeiten die Bedeutung proaktiver Anti-Mobbing-Interventionen“, betonen die Studienautoren. Dennoch sei trotz rückläufiger Tendenzen nach wie vor mehr als jeder siebte Schüler in Mobbing involviert. So müsse man davon ausgehen, dass es in jeder Schulklasse Schüler gibt, die unter Mobbing leiden, heißt es im Bericht.

Die Entwicklung, Evaluation und Implementierung von Anti-Mobbing-Strategien und -Programmen sollte deshalb weiter ausgebaut werden, um Lernende vor Mobbinghandlungen und deren schweren negativen gesundheitlichen Folgen schützen zu können, lautet das Fazit der Wissenschaftler. Vor allem Lehrer sollten gefördert werden, Mobbing zu erkennen und kompetent darauf reagieren zu können.