„Positive Lymphknoten“ sind für viele Laien eine gute Nachricht

  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Bei einer zufälligen Stichprobe von Messebesuchern in den USA erwiesen sich mehrere medizinische Termini als Stolperfallen für das Verständnis der Diagnose. So wurden „unauffällige“ Thoraxaufnahmen von jedem 5. missverstanden, „positive“ Lymphknoten von jedem 3., und „imponierende“ Bereiche in Röntgenaufnahmen gar von 80 % der Patienten.

Hintergrund und Design

Der Gebrauch medizinischer Fachausdrücke gegenüber Patienten in der Praxis kann zu Missverständnissen führen. Wie häufig dies geschieht und welche Termini besonders anfällig dafür sind, war das Ziel der aktuellen Studie mit einer Stichprobe von 215 erwachsenen Besuchern einer Ausstellung („State Fair“) im US-Bundesstaat Minnesota. Sie waren zu 63 % weiblich und im Durchschnitt 42 Jahre alt.  

Ergebnisse

  • Korrekt verstanden wurden die folgenden Sätze von diesem Prozentsatz der Befragten:
    • Das Ergebnis des Krebsscreenings ist negativ: 96 %
    • Ihr Tumor ist progredient („progressing“): 79 %
    • Die Lymphknoten sind positiv: 67 %
    • Die Röntgenaufnahme (des Thorax) ist unauffällig: 80 %
    • Die Radiographie imponiert mit („was impressive“): 21 %
  • Im Vergleich zu Fachjargon wurden alle obigen Sätze signifikant besser verstanden, wenn sie in allgemeinverständlicher Sprache formuliert wurden.

Klinische Bedeutung

Es ist unklar, ob die Bildung bzw. das medizinische Sprachverständnis der Befragten für die USA repräsentativ sind bzw. auf deutsche Verhältnisse übertragbar. Die Autoren verweisen darauf, dass im Befragungszelt Maskenpflicht galt, und dass die Teilnehmer eine für Minnesota überdurchschnittliche Bildung berichtet hatten. Dennoch sollte diese Umfrage als Motivation für eine möglichst allgemeinverständliche Kommunikation medizinischer Diagnosen dienen, um unberechtigte Ängste (aber auch Hoffnungen) zu vermeiden und die Adhärenz zu verbessern.

Finanzierung: National Institutes of Health, University of Minnesota.