Übersichtsarbeit bescheinigt 12 Therapien potenziellen Nutzen gegen Haarausfall

  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Unter einen großen Vielfalt von Nahrungsergänzungsmitteln gegen Haarausfall fand sich im Rahmen einer systematischen Übersicht 30 Artikel, die einen „potenziellen Nutzen“ für 12 frei verkäufliche Interventionen belegen. Zum Nutzen von Diäten gab es dagegen keine Evidenz.

Hintergrund

Zahlreiche Menschen nehmen Nahrungsergänzungsmittel in Form von Vitaminen, Mineralien und pflanzlichen Produkten, um damit Haarausfall zu bekämpfen oder vorzubeugen. Die Daten zur Wirksamkeit dieser Interventionen sind indes „hochvariabel“, schreiben die Autoren der aktuellen Übersichtsarbeit. Außerdem kann der gebrauch dieser Mittel teuer sein, in hohen Dosen toxische Wirkung zeigen, mit Medikamenten wechselwirken, und Testresultate beeinflussen.

Design

Systematische Evaluation und Zusammenstellung aller Diäten und Nahrungsergänzungsmittel zu Interventionen gegen Haarverlust bei Individuen ohne defiziente Ernährung. Durchsucht wurden die Datenbanken MEDLINE, Embase und CINAHL nach englischsprachigen Artikeln mit subjektiv und/oder objektiv gemessenem Verlauf von Alopezie oder Haarverlust.

Ergebnisse

  • Unter 6358 Literaturzitaten wurden 30 Artikel für die Analyse ausgewählt. Darunter waren 17 randomisierte und 11 nicht-randomisierte klinische Studien sowie 2 Fallserien.
  • Unter den Diät-basierten Interventionsstudien erfüllte keine einzige die Einschlusskriterien.
  • Die höchstwertigsten Studien zu Interventionen mit Nahrungsergänzungsmitteln „zeigten einen potenziellen Nutzen“ von Viviscal, Nourkrin, Nurtafol, Lamdapil, Pantogar, Capsaicin und Isoflavon, Omega-3- und 6-Fettsäuren mit Antioxidantien, Apfel-Extrakten, Tabletten mit Glukosiden aus Pfingstrosen und Glycyrrhizin, Zink, Tocotrienol, und Kürbiskernöl. Kriterium hierfür war Qualitätsstufe 2 gemäß dem Oxford Centre for Evidence Based Medicine
  • Evidenz von niedriger Qualität (Stufe 3 oder 4) fanden die Autoren für Kimchi und Cheonggukjang (ein traditionelles koreanisches Gericht aus fermentierten Sojabohnen), Vitamin D3, und Forti5.
  • Nebenwirkungen waren für alle untersuchten Therapien selten und mild.

Klinische Bedeutung

„Diese Arbeit legt nahe, dass Nahrungsergänzungsmittel eine potenzielle Rolle bei der Behandlung von Haarverlust spielen“, schreiben die Autoren. Ärzten erteilen sie den Ratschlag, angesichts fehlender gesetzlicher Regulierungen mit den Patienten potenzielle Risiken und Nutzen der Interventionen zu diskutieren und gemeinsame Entscheidungen zu treffen. Kritisch angemerkt wird lediglich, dass die Forschung sich in Zukunft auf größere randomisierte Studien mit aktiven Vergleichssubstanzen konzentrieren sollte.

Finanzierung: Keine Angaben.